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Pressestimmen

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6. Juni 2013
Die Welt
Harmonisches Zusammenspiel



Die Geigerin Julia Fischer stellt ihr neues Streichquartett vor Von Matthias Nöther

Es kann sein, dass dieses junge Streichquartett noch viel von sich reden machen wird. Aber sicher ist bereits: Die Quartett-Formation um die 29-jährige Geigerin Julia Fischer ist so aufgestellt, dass man einfach von ihr reden muss. Bereits die erstmalige Aufstellung für ein Konzert im Kleinen Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt ist ein Ereignis. Neben Julia Fischer ist zumindest der Bratschist Nils Mönkemeyer ein prominenter Interpret, der weit über die Kammermusik- und Orchesterszene hinaus als internationaler Solist und Botschafter seines Instruments bekannt ist. Der Sekundgeiger Alexander Sitkovetsky ist ebenfalls ein weltweit gefragter Solist, und der Cellist Benjamin Nyffenegger an führender Position im Tonhalleorchester Zürich tätig. Es ist zweifellos eine neue Generation von Virtuosen.

Doch das alles ist für den Abend selbst nicht wichtig. Julia Fischer hat sich ihre Kollegen nicht ausgesucht, weil sie gut im Geschäft sind oder gut klingende Namen haben, sondern weil Fischer plastische, harmonierende und dennoch unterscheidbare Musikercharaktere haben wollte. Davon kriegt der Hörer einiges mit, ohne die Musiker persönlich zu kennen: Sitkovetsky etwa wirkt wie das Idealbild eines zweiten Geigers. Er sichert bereits in Haydns F-Dur-Quartett op. 77 als agiler Kommunikator in alle Richtungen das Terrain, auf welchem Julia Fischers Stimme sicher in die hohen Lagen aufsteigen kann.

Mönkemeyer ist der ernst und etwas melancholisch im Hintergrund Verharrende, der gleichsam nur etwas sagt, wenn er gefragt wird. Und wenn Nyffenegger sich einmal aus der Bass- in die Tenorlage hochschraubt, so wirkt es wie der kluge Diskussionsbeitrag des Quartett-Intellektuellen, der sich nur äußert, wenn die anderen nicht alleine weiterkommen.

Die Stargeigerin ist in dieser Saison Artist in Residence am Konzerthaus. Es gab der jungen Münchnerin, die nebenbei bereits eine Hochschulprofessur ausfüllt, die Möglichkeit, sich in Berlin (Link: http://www.welt.de/themen/berlin-staedtereise/) nicht nur als Geigerin, sondern auch als Pianistin und zum Abschluss auch als Kammermusikerin vorzustellen. Über technische Zweifel ist das neue Julia Fischer Quartett durchweg erhaben. Gleich der Beginn von Haydns op. 77, geprägt von einer vollendet ausgehörten Balance der Stimmen, lässt ahnen, dass der Hörer an diesem Abend nicht um Intonation und flatternde Bogenarme wird zittern müssen – was bei minder gut disponierten Vertretern des fragilen Formats "Streichquartett" schon mal passiert. Julia Fischer macht, namentlich im Andante, ihren tonlichen Führungsanspruch deutlich, der Ton ist präsent, direkt.

Doch das ist nicht Masche, sondern Absicht – die sich auch den Umständen entsprechend ändern kann, wie man in Mendelssohns Streichquartett op. 44 Nr 2 hören kann. Julia Fischer spielt das Thema gegenüber Haydn im Klang verhangen, indirekt, zwischen den nun stärker an die Oberfläche drängenden Mittelstimmen wirkt ihr Ton nun leichter, auch zerbrechlicher. Der klangdramaturgische Effekt, der sich im Verlauf einstellt, ist gewaltig. Im Finale des Mendelssohn-Quartetts, aber auch und vor allem in Schuberts Quartett "Der Tod und das Mädchen" landet die Formation bei einer überbordenden Expressivität, die das Publikum zum Schluss fast von den Sitzen reißt.

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