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4. Januar 2013
Aargauer Zeitung
Schönheit und der Blick in tiefe Seelenschluchten



Christian Fluri

Sie kennen sich schon lange, der Pianist Oliver Schnyder, der Cellist Benjamin Nyffenegger und der Geiger Andreas Janke. Janke ist Konzertmeister und Nyffenegger stellvertretender Solocellist des Tonhalle-Orchesters Zürich,
Schnyder wirkt dort hin und wieder als Solist.

Nun haben sie sich zum Oliver Schnyder Trio zusammengefunden. Wobei der Name etwas täuscht. Denn die drei sind gleichberechtigte Partner, die auf gleich hohem Niveau spielen und sich musikalisch bestens verstehen.

Für ihre erste gemeinsame Doppel-CD bei Sony/RCA wagten sie sich gleich an zwei riesige Berge der Klaviertrio-Literatur, an Franz Schuberts Trios in Es-Dur (op. 100) und in B-Dur (op.99), die beide gleichsam von sinfonischem Ausmass sind.
Sie bringen die Berge in starken, prägnanten Farben zum Leuchten. Hier sind drei Poeten am Werk, die nie verklären. Im gut 50-minütigen Es-Dur-Trio, das Schubert im November 1827, ein Jahr vor seinem frühen Tod, komponierte, setzen sie Schönheit hart an die Verlorenheit und Lebensverzweiflung, von denen die Musik ebenso spricht.
Dem «Disparaten» in Schuberts Musik, von dem der Schriftsteller Alain Claude Sulzer in seinem fürs Booklet verfassten Text schreibt, gibt das Trio eindrücklich Klang – so im dramaturgisch spannungsvoll durchgestalteten Schlusssatz mit den immer neu ausgreifenden musikalischen Gedankengängen. Die drei horchen die Partitur in ihren Tiefen aus, führen dabei unseren Blick auch ins Dunkel von Schuberts Seelenschluchten. Unter der Leichtigkeit von
Schnyders perlenden Läufen klaffen düstere Bassfiguren. Jankes Geigenton ist mal hart, prägnant, dann gefühlvoll trauernd; plötzlich wechselt er in einen kernigen, scharfen Volkston, wo dies Schubert gleichsam fordert.
Im Andante con moto prallen die Melancholie, die Nyffenegger berührend zum Ausdruck bringt, und der aufbegehrende Schrei nach Leben aufeinander. Eher langsam kommt das Scherzo daher, ist hier mehr tief empfundene Trauer als Totentanz.
Auch im zweiten späten
Trioin B-Dur setzen die drei tänzerische Leichtigkeit scharf an Klänge des Widerspenstigen und dunkel Bedrohlichen, spielen die Gesanglichkeit fein aus und brechen sie hart auf. Emotionaler Ausdruck und durchstrukturiertes Spiel gehen Hand in Hand.
Schubert PianoTrios,
Oliver Schnyder Trio, Sony/RCA 2013 Tonhalle Zürich Morgen Freitag spielt
Oliver Schnydermit dem Tonhalle-Orchester Mozarts Klavierkonzert d-Moll.

Benjamin Nyffenegger,Oliver Schnyder
, Andreas Janke (v.l.) RCA

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