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Pressestimmen

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3. Juli 2012
Augsburger Allgemeine
Perfekt ausbalanciertes Miteinander

Das Julia Fischer Quartett hielt auf Schloss Leitheim, was es versprach und bot den begeisterten Besuchern einen wahren Höhepunkt kammermusikalischer Klasse

Von Dr. Tobias Böcker

Selten ist ein Quartett von solcher Qualität zu erleben, durchdrungen von Tatkraft, Emotion, Kreativität und Leidenschaft. Vier junge Musiker waren mit Energie, Schwung und Ernst bei der Sache: Das Julia Fischer Quartett brillierte beim Sommerkonzert auf Schloss Leitheim mit Werken von Joseph Haydn, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Schubert. Das internationale Renommee aller vier Musiker bewahrheitete sich in einem wahren Höhepunkt kammermusikalischer Klasse.

Joseph Haydns großartiges Streichquartett Nr. 67 F-Dur op. 77/2, nach seinem Auftraggeber auch „Lobkowitz-Quartett“ genannt, bildet einen Generationen übergreifenden Scheitelpunkt des klassischen Streichquartetts, Resümee und Ausblick zugleich: Haydns Spätwerk fasst seine ganze Kunst zusammen und gibt gleichzeitig Zeugnis davon, wie der Komponist sich aktiv mit den Anregungen der jüngeren Generation, vor allem Beethovens auseinandersetzte.
Das Julia Fischer Quartett spielte elegant und schwungvoll, setzte in fast perkussiver Bogentechnik klare Akzente, genoss den Fluss der Melodien und gab den Einfällen Haydns Raum und vitale Aktualität. Die Vier kosteten jede Nuance der Komposition aus, spielten sensibel, gefühlvoll, dabei stets energetisch und angeregt.

Ein Star-Ensemble, dessen Star das Ensemble ist

Als besonders faszinierend erwies sich, wie intensiv vier herausragende Solisten, deren jede und jeder für sich ein Konzertpublikum zu fesseln gewohnt ist, auf echter Augenhöhe zu einer ungemein homogenen Einheit zusammenwachsen konnten: Ein Star-Ensemble, dessen Star das Ensemble ist! Die Stimmen griffen eins zu eins ineinander, harmonierten in ihrer individuellen Ausprägung auf höchstem Niveau des gleichberechtigten Zusammenspiels. Julia Fischer, Alexander Sitkovetsky, Nils Mönkemeyer und Benjamin Nyffenegger zeigten in ständigem Blickkontakt ein aufmerksames, perfekt ausbalanciertes Miteinander von hochgradiger Integrationskraft.

Die Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy muss bis heute um die Anerkennung ihrer Qualität ringen, völlig zu Unrecht! Es waren übelste antisemitische Anwürfe unter anderem aus der Feder Richard Wagners, die den genialen Komponisten bis in unsere Tage hinein herabsetzten. Wer jedoch auch nur die ersten Takte seines Streichquartetts Nr. 4 e-Moll op. 44/2 erleben darf, wird unmittelbar eines Besseren belehrt und keinen Zweifel hegen, welche Größe Mendelssohn Bartholdy in die Musikgeschichte einbrachte. Mit einem geradezu drängenden Gestus legte das Julia Fischer Quartett die tiefe Gefühlswelt des Werkes frei. Leidenschaftlich nahmen die vier Musiker die Emotionen auf, spielten sich Themen, Gedanken, Gefühle in hingebungsvoller Begeisterung zu, verloren dabei keine Einzelheit aus den Augen, sondern sorgten im Gegenteil bei aller emotiven Expressivität für klare Detailkontur.

Mit aller harmonischen Farbigkeit

In Franz Schuberts düster dramatischem Streichquartett Nr. 14 d-Moll „Der Tod und das Mädchen“ schließlich lotete das Quartett die leidenschaftliche Erregung dieses „langen und bitteren Totentanzes“ auf der Schwelle der Existenz mit aller harmonischen Farbigkeit und melodischen Inspiration bis zur Neige aus. Ein großes Erlebnis!

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