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Pressestimmen

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29. Juli 2012
Der Volksfreund
Musik wird zur Sinnfrage



Eva-Maria Reuther

Nach vorne gerichtet, voller Lust an Spiel und Ausdruck haben sich Geigerin Julia Fischer und ihr Quartett im ausverkauften Barocksaal des Klosters Machern präsentiert. Ein musikalischer Hochgenuss für 300 Zuhörer.

Bernkastel-Wehlen.
Es gehe ihr nicht um kalte technische Perfektion, hat Julia Fischer einmal in einem Interview gesagt, sondern um die intellektuelle Durchdringung und die Umsetzung des emotionalen Gehaltes der Musik. Mit welch tiefem Verständnis und überzeugender Ausdruckskraft die Geigerin und ihr kürzlich gegründetes Streichquartett Gefühls- und Geisteswelt von Musik ausdeuten, bestätigte das Ensemble am Wochenende einmal mehr im Kloster Machern. Neben Joseph Haydns letztem Streichquartett Nr. 67, op.77/2, in F-Dur standen dort Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr. 4, op. 44/2, in e-Moll und als Höhepunkt Franz Schuberts Streichquartett Nr. 15, d-Moll, D810, ( "Der Tod und das Mädchen") auf dem Programm.

Seelische Irrlichter

Das großartige Spiel des Quartetts, dem so illustre Kollegen wie Nils Mönkemeyer angehören, wies weit über ein spannendes, technisch brillantes Hörerlebnis hinaus. In Machern wurde Musik an diesem Abend zur Sinnfrage. Julia Fischer und ihr Quartett musizierten mit einer Eindringlichkeit, die ihre Zuhörer auf sich selbst zurückwarf. Was das Quartett in Mendelssohn Bartholdys Werk an seelischem Irrlichten und gespenstischen Alpträumen und in Schuberts Komposition an Tod und Leben musikalisch verhandelte, wurde zur existenziellen Frage für jeden Zuhörer im Saal.
Schon jener Eingangsruf, mit dem Schuberts Quartett begann, war nichts anderes als ein gewaltiges "Memento mori" ( Bedenke, dass du sterben musst). Noch ist der Lebenswille kaum mehr als eine zaghafte Frage der Auflehnung und wilder Kampf folgen. Julia Fischer und ihr Quartett musizierten wie schon beim komplizierten Mendelssohn kraftvoll, energisch, mit klaren Konturen und schlankem Ton. Mit wunderbarem Klangsinn machten sie die Schroffheit des Stücks ebenso deutlich wie seine feine Melodik. Wunderbar: das tiefernste Andante. Herrlich Julia Fischers feiner Geigenton, der so unfassbar leicht ist und doch voller Schattierungen und feiner Nuancen.

Finale voller Vitalität

Dagegen stand Benjamin Nyffeneggers präsentes Cello mit seinem dunklem Klangteppich und dem Pizzicato, das wie ein Puls pochte. Zum Schluss: das Finale voller Vitalität, ein Bekenntnis zum Leben. Ein Genuss, diesem jungen, musikalisch streitbaren Quartett zuzuhören mit seiner unbändigen Lust am Spiel, seiner Dialogfähigkeit und nicht zuletzt seiner Risikobereitschaft.


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