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Pressestimmen

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31. Mai 2012
Frankfurter Rundschau
Und wieder ist sie erstaunlich

Julia Fischer debütiert mit ihrem neuen Quartett

Nun also auch ein eigenes Streichquartett, nach ihr benannt. Julia Fischer, 28, das ehemalige Wunderkind, die Jahrhundertgeigerin, die auch dirigiert, die Griegs Klavier(!)-Konzert öffentlich spielt und als jüngste Professorin der Republik in die Geschichte einging, hat sich wieder ein neues Terrain erobert.

Die Idee, sagt sie, entstand vor zwei Jahren, als sie sich am Starnberger See, auf ihrem eigenen Festival, ein breites Repertoire erarbeiten konnte. Ihre Partner - der Geiger Alexander Sitkovetsky, der Bratschist Nils Mönkemeyer und der Cellist Benjamin Nyffenegger - sind ihr schon länger vertraut, in verschiedenen Konstellationen spielte sie mit ihnen Kammermusik. Als Streichquartett indes war ihr Konzert im Mozart Saal der Alten Oper Frankfurt, von einem Auftritt in Schwetzingen abgesehen, quasi ihr Debüt.
Konsequent und unerbittlich

Haydn, Mendelssohn Bartholdy, Schubert, ein etwas zaghaftes Premierenprogramm, noch ohne die sperrige Weitsicht des späten Beethoven, ohne Bartók, ohne Schönberg oder auch ohne den Eigensinn von Janáceks Quartetten. Dafür gibt es Kammermusik in Perfektion. Die klare Konsequenz, mit der Julia Fischer auch dieses Projekt angeht und zu ihrem macht, die Unerbittlichkeit, mit der sie sich in die Musik versenkt und aus ihr heraus ein enormes Spektrum entfaltet, ist wieder einmal erstaunlich. Natürlich kann da noch keine über Jahre gewachsene Vertrautheit sein wie bei anderen Spezialquartetten, aber das Zusammenspiel ist verblüffend.

Das irrsinnige Panorama von Franz Schuberts d-moll-Quartett "Der Tod und das Mädchen", die inwändige Intensität, die er dem zweiten Satz eingeschrieben hat, die Schroffheiten des Allegro, alles da. Aber das Julia Fischer Quartett braucht nicht die großen Ausschläge, um zu zeigen, was es kann. Joseph Haydns F-Dur-Quartett op. 77/2 etwa, klassisch als Eröffnungsstück programmiert, ist mal von rauem Charme oder, wie im Finale, von ausgelassener und doch präziser Spielfreude.

Wenn überhaupt, dann ist der Ton noch zu sehr auf Fischer zugeschnitten, nicht einmal offensiv, eher wie selbstverständlich erhebt er sich über den der anderen. Das spürt man in Haydns einleitendem Allegro moderato, aber auch bei Felix Mendelssohn Bartholdys e-moll-Quartett op. 44/2, dessen gespannter Grundton mehr Mut und mehr Präsenz in allen Stimmen vertragen könnte. Aber wie das geisterhafte Scherzo an einem vorüberjagt, mal fratzenhaft grimassierend, dann wieder federleicht, das ist große Kunst, getragen von einer immensen Lust am Spiel.

von Tim Gorbauch

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