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Pressestimmen

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31. Mai 2012
Frankfurterneue Presse
Die wilde Jagd der Streicher



In der Frankfurter Alten Oper gab das erst zwei Jahre alte „Julia-Fischer-Quartett“ sein Debüt mit Haydn, Mendelssohn Bartholdy und Schubert.

Die Vier haben einander auf unterschiedlichen Wegen kennengelernt, teils als Kommilitonen oder lehrende Kollegen und bei Festivals oder Wettbewerben. Sie stammen (in instrumentaler Reihenfolge) aus vier Nationen: Julia Fischer (*1983) ist eine Münchnerin (und war eine ganze Zeit lang Professorin an der Frankfurter Musikhochschule); der gleichaltrige Alexander Sitkovetsky stammt aus Moskau, Nils Mönkemeyer (*1978) kommt aus Bremen, Benjamin Nyffenegger (*1984) aus Bern. Alle sind sie bereits höchst erfolgreich auf Europas Konzertbühnen unterwegs.

Im Mozartsaal boten sie Streichquartette von den eigentlichen Ursprüngen (Haydn) über die sehr persönlich gefärbte Ausformung bis zu einem Höhepunkt der Gattung, Schuberts d-Moll „Der Tod und das Mädchen“ (1824). Selbst wenn man nur das letzte gehört hätte, so hätte sich der lange Abend gelohnt. Die Vier harmonieren, weil alle sehr versiert sind, vorzüglich miteinander, verstehen einander in der Deutung der Komposition. So können sie auch trefflich eben diesen seltsam wankenden musikalischen Sinn wiedergeben, den Gemütszustand des Mädchens in ängstlichem, hastigem, kurzatmigem Spiel, in massiver Betonung der Punktierungen die gesammelte Erregung. Das Andante, in Weiterführung der Themenstränge, setzt die Ängstlichkeit des Mädchens in zarte, helle Töne (Fischers Part), in sonore Klänge des Cellos hingegen die Tröstungsversuche des Todes. In einer wilden Streicherjagd endet das Drama.

Was mit Haydns „Lobkowitz-Quartett“ (F-Dur, 1799) als fröhliches, heiteres, sachgerechtes Wechselspiel begann (mit gelegentlichen Schwerpunkten der 1. Violine), das fügte sich in Mendelssohns e-Moll-Quartett (1837) zu sehr persönlicher, überschwänglicher und einfühlsam gebotener Musik. Schließlich hat Mendelssohn das Werk auf seiner Hochzeitsreise skizziert. Es bietet Anlass für wunderschön verwobene Stimmgefüge, auch ein kesses, scherzendes Toben, in dem man sich die klingenden Bälle zuwirft. Am Ende blüht der Geigenklang über den selbständig geführten anderen Instrumenten. Dieses Ensemble kann sich hören lassen.

von Gabriele Nicol

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