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1. Juni 2012
Frankfurter Allgemeine Zeitung
WUNDERBAR

Julia Fischer Quartett

Das Debüt im Mozart-Saal der Alten Oper war der zweite Abend von Julia Fischers Quartett, ihr erstes Konzert hatte die neugegründete Formation einen Abend zuvor bei den Schwetzinger Festspielen gegeben. Die Idee zum Ensemble kam der Geigerin vor zwei Jahren, als sie viel mit dem Geiger Alexander Sitkovetsky, dem Bratschisten Nils Mönkemeyer und dem Cellisten Benjamin Nyffenegger zusammenarbeitete. Sitkovetsky, der sein Konzertdebüt mit acht Jahren gab und danach Schüler an der Londoner Menuhin School wurde, lernte Fischer im Jahr 1995 kennen, als beide elf Jahre alt waren. Zahlreiche Preise säumen den Weg des in Bremen geborenen Mönkemeyer, der voriges Jahr zur gleichen Zeit wie Fischer eine Professur an der Münchener Musikhochschule übernahm. Nyffenegger ist Preisträger bedeutender Wettbewerbe, arbeitet solistisch mit großen europäischen Orchestern und ist seit 2008 stellvertretender Solocellist des Tonhalleorchesters Zürich.

Welche künstlerischen Eigenschaften hat ein von Fischer gegründetes Ensemble? Die Antwort ist leicht: etwa die gleichen wie sie selbst. Da gibt es keine Schnörkel, keine Extravaganzen, keine Selbstinszenierung. Es herrschen Konzentration auf die Sache, intensive Kommunikation und ein mit unbändiger Spielfreude gepaartes, außerordentliches technisch-musikalisches Niveau. Wunderbar klar, kraftvoll und vital erklang Haydns letztes vollendetes Streichquartett F-Dur op. 77/2. Druckvolles Spiel im Kopfsatz, ein zauberhaft luftiges Scherzo, weitgespannte Kantilenen im Andante und ein schier atemberaubendes Presto-Finale erlebte man in Mendelssohn Bartholdys Quartett e-Moll op. 44/2. Eine rhythmisch scharf profilierte, nuanciert ausgearbeitete Wiedergabe von Schuberts Streichquartett d-Moll "Der Tod und das Mädchen" schließlich zeigte auf packende Weise das immense Ausdrucksspektrum des Werks. Die kleine Intonationstrübung in der dritten Variation des langsamen Satzes, verursacht anscheinend durch etwas zu hohen Bogendruck bei den Akkorden der ersten Violine, ließ eigentlich nur deshalb aufmerken, weil alles andere an dieser grandiosen Wiedergabe auch an schwierigsten Stellen von geradezu traumwandlerischer Sicherheit war.

JOACHIM WORMSBÄCHER

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