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Pressestimmen

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3. Mai 2012
Mannheimer Morgen, Mittwoch 30.5.2012
Demokratie klingt sehr gut



© Felix Heyder

Erste Geige kann in diesem Streichquartett nur eine spielen: Julia Fischer (Bild). Doch auch an der Zweiten Violine sitzt mit Alexander Sitkovetsky jemand, der aus einer ganzen Dynastie bekannter Musiker herausgewachsen ist, sein Onkel Dmitri Sitkovetsky etwa ist als Dirigent und Geiger weltweit ein Begriff. Nils Mönkemeyer schließlich hat das fast Unmögliche geschafft: Die korpulente Bratsche ist durch ihn zum schicken Instrument geworden. Günstige Voraussetzungen für das Schwetzinger Konzert, obwohl die Gattung ja nicht unbedingt als Prominenten-Treff geeignet ist und künstlerische Großereignisse hier eher im Verborgenen gedeihen.


Doch im Rokokotheater präsentiert sich dieser Vierer als dynamische Vereinigung, woran auch der auf dem Papier am wenigsten illustre Name seinen Anteil hat: Cellist Benjamin Nyffenegger scheint in seinem Brotberuf am ersten Pult des Tonhalle-Orchesters Zürich nicht ganz ausgelastet, und man ahnt, warum: Sein Ton ist selbst in leiseren Passagen voll präsent, er nuschelt nie. Die exquisite Spieltechnik dieses Quartetts ist ohnehin ein Wert an sich, auch virtuose Unisono-Abschnitte geraten so kompakt und scharf umrissen, dass kein Bogenhaar zwischen die Instrumente passt. Und das, obgleich wir es mit einer Neugründung zu tun haben - in Schwetzingen steigt das Debüt-Konzert der Formation.

Brillant sein unter Gleichen

In Streichquartetten Haydns (Opus 77/2), Mendelssohns (e-Moll-Quartett) und Schuberts ("Der Tod und das Mädchen") steht modernes, schlankes, vorwärtsdrängendes Quartettspiel auf der Tagesordnung, was den Scherzo- und Finalsätzen besonders gut bekommt. Brillant sein unter Gleichen: Die Verfassung dieses Viererbunds ist demokratisch, auch wenn Julia Fischers Guadagnini-Geige das Geschehen häufig doch rhetorisch überglänzt, Joachim-Gauck-haft sozusagen. Bleibt zu hoffen, dass die Mutter, Pädagogin und, vor allem, Star-Solistin Fischer weiterhin die Zeit fürs Streichquartettspiel einzuplanen weiß. Es tut ihr gut. HGF
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 30.05.2012

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