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9. April 2011
Aargauer Zeitung/ Limmattaler Zeitung
"Er rief mich nachts aufs Handy an"



Erstmals spannen die Orchester von Tonhalle, Opernhaus und das Zürcher Kammerorchester zusammen, um am 12. April ein Benefiz-Konzert für Japan zu geben.Cellist Benjamin Nyffenegger
über das spezielle Konzert.


Benjamin Nyffenegger, Sie haben das Konzert mitorganisiert. Wie kam es dazu?


Benjamin Nyffenegger: Die Idee kam von unseren japanischen Orchester-Kollegen. Sie wollten vor einem regulären Tonhalle-Konzert ein Kammerkonzert geben. Unser Vorstandspräsident fand: Ein eigenständiges Benefiz-Konzert bringt mehr. Dann ging alles sehr schnell. Wir mussten einen Termin finden, an dem die Tonhalle frei war, Probentermine, einen Dirigenten, Solisten und genug Musiker.
Wie viele Musiker machen mit?
85 haben sich angemeldet. Etwa 80 werden dabei sein – eine grosse Besetzung für eine Beethoven-Sinfonie.
Mit Julia Fischer als Violin-Solistin und dem Dirigenten Christoph von Dohnányi konnten Sie Weltstars für den Anlass gewinnen. War das schwierig?
Mit Julia Fischer bin ich gut befreundet. Wir spielten vor zwei Jahren erstmals zusammen in Zürich das Schubert C-Dur Streichquintett. Sie lud mich dann zu Ihrem Festival ein und nun gründeten wir ein Streichquartett, mit dem wir 2012 gemeinsam auftreten werden. Zudem ist sie häufig Solistin im Tonhalle-Orchester. Sie sagte zum Glück sofort zu. Es ist ja ein sehr kurzfristiges Projekt. Normalerweise sind die Musiker jetzt schon bis 2013/14 verplant.
Und Christoph von Dohnányi?
Ich schrieb sein Management an. Er rief mich dann nachts um halb elf persönlich aufs Handy an und sagte, er würde das sehr gerne machen – eine schöne Geste.
Was haben Sie für eine Beziehung zu Japan?
Meine erste Ausland-Tournee führte mich vor fünf Jahren nach Japan – wie auch unsere nächste Tournee mit dem Tonhalle-Orchester im kommenden Herbst. Zudem haben wir viele japanische Kollegen im Orchester.
Dass die drei Zürcher Profi-Orchester zusammenspannen, ist ungewöhnlich. Wie ist das Verhältnis untereinander? Konkurrenz?
Man kennt sich. Konkurrenz herrscht nicht wirklich, wir spielen ja auf unterschiedlichen Feldern. Wenn es den einen nicht gut geht, ist es für alle schlecht. Bemerkenswert ist, dass die Initiative für das Konzert für Japan von den Musikern selber kam.
Wie laufen die Proben?
Wir machen drei Proben, das sind zwei weniger als sonst üblich. Die Zeit ist sehr knapp, vor allem, da wir kein eingespieltes Orchester sind. Deshalb wollten wir einen Top-Dirigenten, damit der Anlass ein Erfolg wird.
Stress wegen des Zeitdrucks?
Ein Konzert unter diesem Zeitdruck ist absolut möglich. In England wird oft noch weniger geprobt, auch aus finanziellen Gründen. Aber es ist sehr intensive Probenarbeit: Ein Tag morgens und nachmittags Proben, dann am Dienstagmorgen die Generalprobe und am Abend das Konzert.
Sie spielen Beethovens Sinfonie Nr.5. Deren markanter Auftakt wird in diesem Zusammenhang Assoziationen mit einem Erdbeben hervorrufen. Gewollt?
Es ist die Schicksals-Sinfonie, eines der genialsten Werke überhaupt. Aber es ist sicher nicht die Meinung, dass wir damit einen musikalischen Ausdruck für ein Erdbeben suchen. Das wäre geschmacklos. Wir wollten würdige Musik für einen solchen Anlass. Musik, die interessant ist fürs Publikum – damit der Saal voll ist. Und Sibelius’ Werk ist ein wahnsinnig schönes Violinkonzert. Julia schlug es vor. Aber wir wollen auf keinen Fall einen Filmmusik-Effekt.
Welche Bedeutung hat das Konzert für Japan für Sie persönlich?
Ich bin erst seit fünf Wochen im Vorstand des Tonhalle-Orchesters. Insofern ist es unser Einstands-Projekt. Für die Kulturszene ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit begreift, dass wir nicht nur Subventionen bekommen, sondern auch etwas leisten wollen, für die Bevölkerung in Japan, für die Menschheit insgesamt – im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Benjamin Nyffenegger
(27) istCellistund Vorstandsmitglied im Zürcher Tonhalle-Orchester.

Konzert für Japan
Am 12. April veranstalten Mitglieder des Tonhalle-Orchesters, des Orchesters der Oper Zürich und des Zürcher Kammerorchester unter Leitung von Christoph von Dohnányi in der Zürcher Tonhalle ein Konzert für Japan. Auf dem Programm stehen das Violinkonzert op. 47 von Jean Sibelius und die Sinfonie Nr.5 von Ludwig van Beethoven. Alle Beteiligten verzichten auf ihre Gagen. Sämtliche Einnahmen werden der Glückskette für die Opfer des Erdbebens in Japan vom 11.März 2011 zur Verfügung gestellt. (mts)

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