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31. März 2011
NZZ Neue Zürcher Zeitung
Sprengkraft



Neue Zürcher Zeitung 31.03.2011, Nr. 76,

Die Tonhalle Zürich war im jüngsten Konzert der Migros-Kulturprozent-Classics bis auf den letzten Platz besetzt. Es wunderte kaum, denn gleich drei Publikumsmagneten hatten gewirkt: die deutsche Stargeigerin Julia Fischer, der junge Schweizer Cellist Benjamin Nyffenegger und die Academy of St. Martin in the Fields. Was im Konzert hingegen überraschte, war das Ausmass der musikalischen Sprengkraft, die dieses Stelldichein in sich barg. Die Interpreten schienen sich gegenseitig zu einer einzigartigen, aus dem Moment schöpfenden Entschlossenheit anzuregen. Die beiden Solisten gaben Vivaldis Konzert für Violine und Violoncello in B-Dur mit barocker Spielfreude. Ihre Musizierlust führte im dritten Satz zu schnellen Tempi und in dessen imitatorischen Teilen zu einem beherzten Schlagabtausch. Wie gut Fischer und Nyffenegger sich ergänzen, kam auch in der Zugabe, der von Johan Halvorsen für Duo arrangierten Händel-Passacaglia, zutage. Die Mischung der unangestrengten Virtuosität mit einer unverkennbar noblen Klanggestaltung wirkte Wunder.

Der Rest des Abends gehörte Julia Fischer. Sie spielte Mozarts Violinkonzert in A-Dur, mit dem sie bereits vor drei Jahren in Zürich aufgetreten ist, mit phänomenaler Transparenz und einer formalen Klarsicht, die auch grössere Bögen einbezog. Im Adagio wandte sie sich von der gepflegten Sachlichkeit ab und fächerte sachte artikulierend lyrische Farben auf. Ihr eigenes Verständnis für das Werk legte sie auch in den Kadenzen offen, mit denen sie die einzelnen Sätze kommentierte. Nach der Pause leitete die Geigerin das Orchester ohne grosse Gesten vom ersten Pult aus. Gleichwohl erklang Othmar Schoecks «Sommernacht» nuanciert, während Peter Tschaikowskys Serenade für Streichorchester über die nötige Substanz verfügte. Die Academy of St. Martin in the Fields, im Klangbild gepflegt und im Zusammenspiel mustergültig, agierte als aufmerksamer Partner.

Michelle Ziegler

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