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29. März 2011
St. Galler Tagblatt
Schoeck träumt

Migros Classics

Vielseitig wechselte Geigerin Julia Fischer in der Tonhalle
St.Gallen die Rollen: immer als Meisterin der leisen Töne.

Bettina Kugler

Ausufernde Gesten sind nicht nötig. Gleichwohl wissen die Musiker der von Sir Neville Marriner gegründeten Academy of Saint Martin in the Fields intuitiv, was ihre Dirigentin vorhat. Selbst wenn sie im Konzert der Migros-Kulturprozent Classics in der Tonhalle nicht an an einem Pult steht, vielmehr den Damen und Herren Streichern und Bläsern in Vivaldis herrlich musikantischem Konzert für Violine und Violoncello B-Dur RV 547 den Rücken kehrt.
Man kennt sich lange genug; die noble Academy ist daran gewöhnt, Kammermusik in Orchestergrösse zu praktizieren und Julia Fischer als eine der ihren zu betrachten. Wie es im zweiten Teil des Abends auch sein wird.
Vollkommene Poesie
Dann nämlich sitzt die weltweit gefragte Solistin als Konzertmeisterin am ersten Pult und gibt von dort kaum merklich traumwandlerisch sichere Einsätze. Grosse Linien zeichnet sie ebenso sorgfältig vor wie flüchtige Atmosphäre: Unglaublich, wie ein Stimmungsbild von der Zartheit der Schoeck`schen «Sommernacht» op. 58 ohne Maestro im Frack so perfekt, so poetisch vollkommen gelingen kann – als sähen sich zwei Liebende in die Augen. Pure Schönheit gelingt hier wie in Tschaikowskys süffiger Streicherserenade: frei von Zuckerzusatz.
Das gilt auch für Mozarts Violinkonzert A-Dur, dessen kühne Einfälle Julia Fischer nicht glättet, aber auch nicht mit Leuchtstift markieren muss. Sanft zwingt sie ihr Publikum zur Hellhörigkeit, zur staunenden Hingabe an das vermeintlich Vertraute. Wie in der ersten Kadenz konzentriert hörbar, changiert Mozart bei ihr zwischen der Strenge einer Bachsonate und romantischer Strahlkraft. Aber auch von Vivaldis Spiellust steckt viel darin – nicht nur, wenn die Celli im Schlusssatz die Bögen drehen und mit dem Holz auf die Saiten trommeln.
Als beflügelnde Kammermusikpartnerin, Solistin und Leiterin zugleich stellt sich Julia Fischer zu Beginn vor. Im Vivaldis Doppelkonzert kann sie ihre ganze Aufmerksamkeit Benjamin Nyffenegger am Cello zuwenden; das Orchester wissen beide mit federnder Zuverlässigkeit hinter sich. Unmittelbar gelingt die Verständigung, ob in munter sprudelnden Läufen oder den reizvollen dynamischen Schattierungen des langsamen Mittelsatzes.
Teamgeist, lässig virtuos
Ihre Grösse stellt die zierliche Geigerin gerade nicht durch Extravaganzen unter Beweis, sondern durch musikalischen Teamgeist: Entsprechend gut kommt Benjamin Nyffenegger, vor vier Jahren ad interim Solocellist beim Sinfonieorchester St. Gallen, mit sanglich atmendem Spiel zum Zug. Ebenso selbstverständlich wird er zur Zugabe zurückgeholt: Johann Halvorsens Bearbeitung der «Passacaglia» von Händel fordert wohl alles an technischen Tricks. Aber doch auch nur ein verschmitztes Lächeln.

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