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5. Februar 2004
Mittellandzeitung/Aargauer Zeitung - Beilage
Der Leidenschaftliche

Er ist noch nicht zwanzig Jahre jung- aber auf dem Cello fast ein ?alter Hase?: Benjamin Nyffenegger. Der Unterkulmer ist seit seinem 4. Lebensjahr vom Cello fasziniert. Nun steht er kurz vor dem Konzertdiplom und einigen Auftritten im Aargau.

Ist er das? Dieser junge Mann, der leicht abgehetzt das Café Schurter in Zürich betritt?, fragt sich die Journalistin. Das Alter könnte stimmen und sein suchend fragender Blick bestärkt sie in ihrer Ansicht. Benjamin Nyffenegger kommt vom Üben und geht nach dem Gespräch wieder zum Üben: Cello natürlich.

Dieses Instrument ist aus Nyffeneggers Leben nicht mehr wegzudenken. Mit vier Jahren sah er den Cellisten Rafael Rosenfeld bei einem Fernsehauftritt und wusste: das ist mein Instrument! Vier Jahre lang bearbeitete er seine Eltern, bis sie ihren Segen zur Cellostunde gaben. Die erste Begegnung mit einem Cello-Lehrer war allerdings niederschmetternd. "Ich war acht Jahre alt und stand mit meiner Mutter vor dem Lehrer. Der sagte: Du kannst nicht Cello spielen. Du hast zu kurze Arme. Geh nach Hause und spiele zunächst etwa drei Jahre Blockflöte!", erinnert sich Nyffenegger. Ich habe fast die Schraube gemacht, geweint und gesagt: sicher nicht ! Recht hatte er. Denn mittlerweile spielt er seit 12 Jahren Cello. Er steht kurz vor dem Konzertdiplom und hat bereits viele erfolgreiche Konzerte hinter und noch mehr vor sich.

Vor einem Auftritt ist er nie nervös. Im Gegenteil: "Vor einem Konzert werde ich fast müde", erklärt er. Nach dem Konzert freut er sich zwar über die Publikumsreaktionen, ist aber mit sich meist nicht zufrieden, denkt ans Aufhören. Allerdings setzt er sich dann doch wieder hin, spielt ein bisschen, "und dann kommt`s wieder". Denn lange hält er es ohne sein Cello nicht aus, nimmt es in der Regel auch in den Urlaub mit. "Meine letzten Ferien ohne Cello waren im Sommer vor einem Jahr. Die ersten drei Tage waren super, aber nachher war es katastrophal", gesteht der Musiker. "Da sitze ich inmitten von Freunden, es herrscht gute Stimmung. Aber irgendwann kommt der Moment, wo ich denke: Eigentlich möchte ich jetzt lieber Üben !"

Diese Knochenarbeit ist unerlässlich, auch für einen, der schon Wettbewerbe gewonnen und von Tonhalle-Chefdirigent David Zinman ein Stipendium erhalten hat. Nyffenegger hat ein klares Ziel vor Augen: "Ich will Orchestermusiker werden." Denn er schätzt in einem Orchester die vielen Kolleginnen und Kollegen, die Zusammenarbeit mit guten Dirigenten, die Möglichkeit, grosse Sinfonien zu spielen. "Zudem ist es etwa gleich schwierig, eine gute Orchesterstelle zu erhalten, wie als Solist erfolgreich zu sein", sagt er. Diese eher düsteren Berufsaussichten machen ihm manchmal etwas Angst. "Aber ich sehe keine Alternative zum Cellospielen für mich", gesteht er. "Denn ich bin in diesem Beruf sicher am richtigen Platz. Ich denke, ich kann mein Berufsziel erreichen. Sonst habe ich wohl zu wenig geübt", meint er.
Hat er keine Angst vor Verletzungen, passt er speziell auf seine Hände auf?
"Nein, eigentlich nicht. Ich spiele ja noch ab und zu Fussball. Da habe ich mich schon an allen möglichen Orten verletzt, aber noch nie an den Händen", erzählt er. "Ich konnte immer spielen. "Kürzlich verspürte er Schmerzen im linken Unterarm. "Da dachte ich, das ist jetzt wohl meine erste Sehnenscheidenentzündung, wie sie viele Musiker haben. Und dann sagte ich mir: Nein, die bekomme ich jetzt einfach nicht!" Und am nächsten Tag waren die Schmerzen weg.

Weshalb nimmt er dann all die "Qualen" auf sich? Einerseits wohl, weil das Cello zu seinem Leben gehört, er sich beim Spielen ausdrücken und mitteilen kann, andererseits auch, " um dem Publikun zu zeigen, wie schön ein Stück sein kann. Denn mich berührt nichts so sehr wie klassische Musik", gesteht Nyffenegger. (Marianne Koller)

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