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7. August 2010
Engadiner Post
Tief empfundene Kammermusik

Romantische und melancholische Klänge

Sieben Streicher und eine Sopranistin gestalteten am Donnerstagabend das traditionelle Augustkonzert der Freunde von San Luzi in der gleichnamigen Kirche in Zuoz. Auf dem Programm standen Werke von Richard Strauss und Franz Schubert.

GERHARD FRANZ
Richard Strauss war tief erschüttert,
als er 1945 ins zerbombte München
kam, wo er so viele Erfolge feiern
konnte. In seinen Metamorphosen für
Streicher verarbeitete er seine Trauer
im abgeklärten, verinnerlichten Al-
tersstil. Das Hauptthema mit fünf ab-
steigenden Tönen variiert er rhyth-
misch und
agogisch auf eindrückliche Art. Der
Schluss im Pianissimo scheint eine
Hoffnung für den Neuanfang seiner
geliebten Stadt München zu sein.
Yi-Chen Lin und Andreas Janke (Vio-
line), Ryszard Groblewski und Lech
Uszynski (Bratsche), Anna Tyka und
Benjamin Nyffenegger (ehemaliger
Margess-Schüler, Cello) und Dariusz
Mizera (Kontrabass) spielten diese
tief empfundene Musik ganz hervor-
ragend, jederzeit gut abgestimmt, bei
allen agogischen Feinheiten aufeinan-
der hörend.
Die aus Bulgarien stammende So-
pranistin Gabriela Palikruscheva Willi
nahm sich den selten zu hörenden
Wesendonck-Liedern von Richard
Wagner an. In romantischer Art be-
schreiben diese Einigkeit zweier Men-
schen, Bezug nehmend auf ihre tiefe
Zuneigung zu Wagner, der sich aus-
nahmsweise der «Kleinkunst» Lied zu-
wandte. «Der Engel», «Stehe still», «Im
Treibhaus», «Schmerzen und Träume»
heissen die Titel. Die Solistin gab
ihnen viel Zartheit mit ihrer gut sit-
zenden, warm timbrierten Stimme.
Ihr Vibrato setzte sie ganz nach dem
Text überaus empfindsam ein. Die
Streicher begleiteten mit feiner Klang-
gebung, was dem Solopart zugute
kam. Wundervoll in Wort und Musik
im letzten Lied: «Sag, welche wunder-
baren Träume halten meine Seele ge-
fangen.»
Himmlische Längen hat man Franz
Schuberts Werken nachgesagt. Das
stimmt für den ersten Satz seines C-
Dur-Quintetts. Eine Musik von Todes-
ahnung zwischen Dur und Moll, be-
sonders im Adagio, dessen zweiter Teil
aufbegehrt. Hier klopft das Schicksal
an die Tür, denn Schubert wusste,
dass er nicht mehr lange zu leben hat-
te. So bäumte er sich im ruppigen
Scherzo noch einmal auf, empfind-
sam und schmerzvoll aber wieder das
eingeschobene Trio. Mit beissendem
Gegenrhythmus das Allegretto voller
Melancholie, aber auch mit einem
Hoffnungsschimmer. Musik des
31-jährigen Genies Franz Schubert,
der das Geheimnis seines kurzen Le-
bens in Töne gesetzt hatte. Ausseror-
dentlich berührend, wie die fünf Mu-
siker diese Stimmungen nach-
zeichneten, mit enormer dynamischer
Vielfalt und empfindsamer Inspirati-
on. Ein mit viel Beifall vom Publikum
aufgenommenes Geschenk nach
einem verregneten August-Tag.



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