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29. Mai 2010
Aargauer Zeitung
J.S. Bach auf Urlaub in Brasilien



Die
Da wird geflaxt, da wird gelächelt, da wird einander zugezwinkert. Und das in einem Herrenklub! Man sieht: acht Cellisten, eine Freundschaft. Dabei haben die Musiker in dieser Besetzung noch gar nie zusammen gespielt. Und vielleicht gerade deswegen spürt man besonders die Freude, die Leidenschaft und die frische Lust am Musizieren, die das pralle Leben vermitteln will. Mal ist die Musik heiter, dann plötzlich wieder aufbrausend und voller Leidenschaft. Aber immer voller Hingabe.

Nicht von ungefähr, dass sich die Chamber Aartists gleich zu Beginn ein Werk vornehmen, das ebenfalls von einer grossen Zuneigung geprägt ist: die «Bachiana Brasileira, No 1» von Heitor Villa-Lobos. Die Suite ist Ausdruck einer grossen Liebe und Verehrung für Johann Sebastian Bach, ohne dass der brasilianische Komponist dabei seine Heimat vergessen hätte – eine atemberaubende Liaison von südamerikanischem Feuer und mitteleuropäischem Formbewusstsein.

Und das hört man auch bei den Chamber Aartists : Flirrende Tropenhitze, schwelgerische Saudade und Bachs vertrackte Kontrapunktik finden alle unterm Dach tief empfundenen Cellospiels Platz. Dabei glätten die Musiker die Gegensätze der Kompositionen nicht aus, sondern lassen sich darauf ein. Die langsamen Tempi werden meditativ ausgekostet, die avancierte Harmonik geniesserisch ausgelotet. Es war ein Fest ungezügelter Klangpracht, als ob Bach in Brasilien Urlaub machen würde. Und dass im Urlaub auch ein Sonnenuntergang nicht fehlen darf, zeigte dann die «Bachiana Brasileira No 5», in der die Schönheit der Dämmerung besungen wird. Hier gesellte sich die Sopranistin Katrin Lüthi zu den acht Cellisten. Ihre flexible Stimme schmiegte sich an den warmen Celloklang ihrer Mitmusiker; fernab weichgespülter Romantik oder falscher Leidenschaft fühlte sie sich souverän in das tropische Fluidum ein. Dabei drang sie tief in die südliche Melancholie vor, ohne die Pathoskeule auszupacken. Das Ensemble bot die nötige Klangpracht ebenso wie die unabdingbare filigrane Leichtigkeit, und wunderbar, wie es gerade Manuel De Fallas «Siete canciones populares españolas» nicht allzu vordergründig ins Spanisch-Folkloristische abgleiten liess.

Stattdessen malten die Musiker zarte Farben und feine Schattierungen und verstärkten so wirkungsvoll gerade die geheimnisvollen Züge der Lieder. Hier waren sie weniger feurige Südsterne, dafür aber klare Nordlichter!

Weitere Konzerte Aarau, KuK, Fr, 28. Mai, 19.30 Uhr. Baden, Stadtkirche, Sa, 29. Mai, 20 Uhr. Zürich, Helferei, So, 30. Mai, 17 Uhr.

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