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8. Dezember 2009
NZZ Kultur
Tiefes Verständnis für Schubert

Julia Fischer in der Tonhalle

Alfred Zimmerlin ⋅
Die junge deutsche Geigerin Julia Fischer ist in dieser Saison Artist in Residence beim Tonhalle-Orchester Zürich. Einen ersten, für den Oktober vorgesehenen Auftritt hatte sie wegen ihrer Mutterschaft abgesagt, doch nun ist sie an einer Kammermusik-Soiree gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern des Tonhalle-Orchesters aufgetreten.

Zusammengewürfeltes Programm

Das Programm wirkte mit Dmitri Schostakowitschs zwei Stücken für Streichoktett op. 11, Max Bruchs postumem B-Dur-Oktett (1920) und Franz Schuberts exzeptionellem C-Dur-Streichquintett (D 956) etwas zusammengewürfelt – ausser man will Bruchs Schubert-Nostalgie als Auftakt zum Original wahrnehmen. Aber so bedeutungsvoll ist die Programmwahl nicht mehr, wenn man zum Schluss Schuberts visionäres Quintett mit einer so aussergewöhnlichen Musikerin, mit einem so hellwachen, kommunikativen, auf höchstem Niveau mitgestaltenden Ensemble hören kann.

Denn jede Note wirkte mit einem tiefen Verständnis für Schubert durchdacht und doch aus dem Moment heraus neu gestaltet, mit fein ausgehörter Agogik, einem meisterhaften Klangsinn. Und mit einer Spannung sondergleichen. Julia Fischer wurde ganz Teil des Ensembles (mit Andreas Jahnke, Gilad Karni, Rafael Rosenfeld und Benjamin Nyffenegger), und so entstand ein befreites, beglückendes Musizieren. Wie kann einen diese Musik überwältigen: grosser Jubel. Zu Beginn der ersten Konzerthälfte erklangen die beiden Oktett-Sätze des neunzehnjährigen Schostakowitsch, der in diesem kurz nach der genialischen ersten Sinfonie entstandenen, beinahe orchestralen Kammermusikwerk nach neuen Möglichkeiten suchte. Merkwürdig unausgewogen ist das Präludium komponiert, mit einem seltsamen Kadenz-Ausbruch der ersten Geige, und das Scherzo ist eine groteske Maskerade, ein Vorbote der späteren grimmigen Scherzi des Komponisten. Gespielt wurde beides mit der nötigen Schärfe und Risikofreude und einer offensiven, das Publikum anspringenden Haltung.

Reiner Genuss

Dunkel klangvoll strömend darauf die Musik von Max Bruch, wie eine Schüssel reifer Erdbeeren, voll Saft und Süsse. Von Julia Fischer und den Tonhalle-Musikern vortrefflich dargestellt, ein Moment des reinen Genusses. – Die nächste Begegnung mit Julia Fischer im Rahmen ihrer Residence bietet einen reinen Schubert-Abend an. Zusammen mit dem Pianisten Martin Helmchen und dem Cellisten Michael Sanderling interpretiert sie am 16. Dezember in der Tonhalle Zürich die Klaviertrios Nr. 1 B-Dur und Nr. 2 Es-Dur.


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