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6. Juli 2009
Magazin Tonhalleorchester Zürich Juli 09
Musiker persönlich

Benjamin Nyffenegger, Stellvertretender Solocellist seit 2008

Aus: Magazin Tonhalle-Orchester Zürich, Juni/Juli 09

BENJAMIN NYFFENEGGER
Stellvertretender Solo-Cellist seit 2008

Benjamin Nyffenegger, Sie sind mit 25 Jahren das jüngste feste Mitglied des Tonhalle Orchesters Zürich. Da haben Sie ja eine Karriere im Zeitraffertempo vorgelegt.

Benjamin Nyffenegger: Nun, ich spiele Cello, seit ich acht bin. Mit fünfzehn begann ich ein Studium bei Walter Grimmer an der Zürcher Musikhochschule, und als dieser pensioniert wurde, wechselte ich zu Thomas Grossenbacher, dem Solo-Cellisten des Tonhalle Orchesters Zürich. Hier konnte ich ein Praktikum absolvieren. Danach zog ich einem Studium in Berlin zwei Temporärstellen in St. Gallen und Luzern vor. Jetzt bin ich beim Tonhalle-Orchester fest angestellt.

Gibt es eigentlich bestimmte Menschentypen, die zu bestimmten Instrumenten passen? Ein Beispiel: Hier spielte vor einiger Zeit ein Fagottist, der, irgendwie passend zum Instrument, mit seinem Witz der Unterhalter des Orchesters war, vor allem auf Tourneen.

Man sagt, dass es typische Flötisten, Harfenistinnen, Cellisten und so weiter gebe. Manchmal denke ich auch, das ist nun typisch Geige, die obenaus schwingt. Man erfährt Musik anders, wenn man als Cellist stets am Bass orientiert ist, was die Persönlichkeit sicherlich beeinflusst. Fellinis Film «Die Orchesterprobe» vermittelt diesbezüglich ein amüsantes Bild. Ich glaube, ich wurde von meinem Instrument «erwählt». Meine Eltern erzählen, dass ich als Kind fasziniert einen Musikwettbewerb am Fernsehen mitverfolgt habe. Interessanterweise nahm auch Rafael Rosenfeld, einer unserer Solo-Cellisten, daran teil. So kam ich zum Cello.

In der hochklassischen und romantischen Epoche waren Cellokonzerte relativ selten. Einige von Haydn, eines von Schumann, eines von Dvorak ...

... eigentlich zwei von Dvorak. Es existierte noch von einem A Dur Konzert eine zwar durchkomponierte, aber nicht ausgearbeitete Partitur.

Trotzdem. Warum so wenige?

So wenige sind es gar nicht, sie werden einfach nur selten gespielt. Schostakowitsch hat zwei geschrieben, wobei man dem ersten häufiger begegnet. Von Frank Martin und dem koreanisch - deutschen Musiker Isang Yun gibt es auch gute Cellokonzerte. Besonders schön und interessant ist dasjenige von Othmar Schoeck, das man mit seiner reinen Streicherbesetzung als ein vom Aufwand her «billiges» Konzert bezeichnen könnte. Dass man immer die gleichen Konzerte hört, liegt nicht zuletzt an den Vorlieben des Publikums: Dvorak und Schumann eben. Wobei gerade diese beiden qualitativ schwer zu toppen sind. Und das D Dur Konzert von Haydn wird deshalb so selten gespielt, weil es oft bei Tests verlangt wird und deshalb einen «Probespielstempel» trägt.

Welches spielen Sie am liebsten?

Sehr gerne die grossen romantischen Werke. Das ist die Welt, in der ich mich wohl fühle. Isang Yun, der die Moderne mit asiatischen Klangfarben anreichert, gefällt mir ebenfalls. Natürlich mag ich auch Haydn. Aber meine Interpretation entspricht nicht der Art und Weise, wie man Haydn heute auffasst: sehr leicht und transparent. Ich finde es schön, wenn jemand das kann - ich selbst kann und will es nicht; ich spiele emotionaler und gesanglicher.

Die Entwicklungen im Tonhalle - Orchester Zürich haben Sie als noch junger Musiker nicht selbst miterlebt. Wie empfinden Sie Ihre Arbeit hier?

Als blutjunger Zuhörer und später als Praktikant habe ich durchaus mitgekriegt, wie extrem viel sich mit David Zinman verändert hat. Die Atmosphäre im Orchester ist momentan ausgezeichnet - was nicht immer so gewesen zu sein scheint. Man versteht sich sehr gut untereinander, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Ich finde, dass es für das Orchester sehr wichtig wäre, wenn es regelmässiger in anderen grossen Häusern der Welt aufträte. Unsere Reisen, zuletzt die Paris Luxemburg Amsterdam Tournee, sind erfolgreich, und ein Orchester, das auf Tournee geht, hat meistens ein höheres Niveau erreicht, wenn es zurückkommt.

Interview: Hans Keller

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