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Pressestimmen

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9. März 2009
Zürcher Oberländer
Griff nach den Sternen

Neue Welten, alte Sehnsucht

Das Niziol Quartett spielte am Samstagabend im Stadthofsaal Kammermusik, die alle Wünsche erfüllte und ein Publikum zurückliess, das nach dem Konzert in anderen Sphären schwebte.

Regula Berger-Hess

Gründe für das Abheben aus dem Alltag gab es bereits zum Konzertbeginn. Das Streichquartett F-Dur op. 96, von Antonin Dvorak während seines Aufenthaltes im amerikanischen Spilville in bester Schaffenslaune geschrieben, ist ein Quell unbeschwerter Lebensfreude. Das Werk, in dem hin und wieder ein wenig Sehnsucht nach der tschechischen Heimat mitschwingt, ist von höchst einprägsamer Melodik. Nur logisch, dass es anlässlich seiner Uraufführung am 1. Januar 1894 in Boston durch das Kneisl-Quartett (Frank Kneisl, Otto Roth, Louis Svucenski, Alwin Schroeder) die Herzen der Hörer im Nu eroberte.


Aus dem Vollen geschöpft

Dass das wohl populärste Kammermusikwerk Dvoraks bis heute seine Frische bewahrt hat, machte die äusserst lebendige Wiedergabe durch das blendend disponierte, von der Kulturgemeinschaft Uster verpflichtete Niziol Quartett deutlich. Bartlomiej Niziol, Christopher Whiting - beides exzellente Geiger - und der nicht minder versierte Bratschist Michel Willi entfalteten zusammen mit dem kurzfristig eingesprungenen Cellisten Benjamin Nyffenegger jenen satten warmen Klang, wie er der slawischen Musik wohl ansteht.
Aber es wäre ungerecht, die Wiedergabe nur ihrer klanglichen Qualität wegen zu rühmen. Vielmehr begeisterte, übers Ganze gesehen, die breite Ausdruckspalette, die Sorgfalt im Detail und der musikantische Schwung, den die vier Musiker an den Tag legten. Benjamin Nyffenegger schloss dabei die Lücke im Quartett souverän und mit ungemein geschmeidigem Ton.


Märchenhafter Zauber

Die «Pavane couleur du temps» des Schweizers Frank Martin, entstanden 1920, spricht eine vollkommen andere Sprache. Impressionistisch geprägt, verwebt der Komponist fünf Streicherstimmen zu einem kostbar farbenreichen Klangteppich. Keine Frage, das Niziol Quartett erweitert durch Thomas Grossenbacher und sein Cello, fing den Zauber der märchenhaften Episode auf sublime Weise ein und rief dem Publikum einen Tonschöpfer in Erinnerung, der im eigenen Land leider zu selten gespielt wird.


Ein Werk mit Ewigkeitswert

Mit seinem 1828 vollendeten C-Dur Streichquintett hat Franz Schubert der Nachwelt ein Werk hinterlassen, das, erst 25 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht, die Grenzen des Herkömmlichen sprengt und in seiner Einzigartigkeit einen monumentalen Höhepunkt der Kammermusik markiert. Nicht nur die Besetzung mit zwei Celli ist ungewöhnlich, sondern vor allem die Dimension und Kühnheit der Komposition, die, so will es scheinen, Franz Schubert über sich hinauswachsen und nach den Sternen greifen lässt.
Vier Sätze - wie üblich Allegro ma non troppo, Adagio, Scherzo und Allegretto - beinhalten doch weit mehr, als was von romantischer Kammermusik gemeinhin erwartet werden kann. Ein Meisterwerk mit Ewigkeitswert, das in der wundervoll klang- und gefühlsintensiven, dynamisch hoch differenzierten Wiedergabe durch das Niziol Quartett und Thomas Grossenbacher tief berührte und den Blick in Innerstes freigab, beseligend und bestürzend zugleich. Richtig, dass trotz reichem Applaus, auf eine Zugabe verzichtet wurde.

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