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24. Juli 2008
High Five («haifaif»)
KLASSISCHE MUSIK IN DER MODERNEN ZEIT

Junge Menschen die sich in der klassischen Musik zuhause fühlen sind eine Seltenheit. Findet man aber einen von ihnen, wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Ausnahmekönner sein, der seinesgleichen sucht.

Ein solcher Mensch ist der 24-jährige Benjamin Nyffenegger. Seit seiner Kindheit spielt er leidenschaftlich Violoncello –leidenschaftlich gut.

Wie muss man sich den Tagesablauf eines Berufmusikers vorstellen?

Mein Tagesablauf sieht fast immer anders aus. Ich bin beim Tonhallenorchester in Zürich angestellt, was heisst, dass ich etwa um sechs Uhr aufstehe, eineinhalb Stunden übe und bis Viertel nach vier Dienst habe. Am Abend wird dann nochmals geübt und manchmal steht auch noch ein Konzert an. Doch momentan haben wir Saisonpause, was, abgesehen von ein paar freiwillig angenommenen Konzerten, Ferien bedeutet.

Was für Musik hörst Du? Darf es auch einmal etwas anderes sein als klassische Musik oder stehen Dir bei Scooter die Haare zu Berge?

Ja, bei Scooter oder beispielsweise DJ BoBo stehen mir die Haare tatsächlich zu Berge. Aber nicht, weil ich keine andere Musik hören würde, da kommt man nicht drum herum. Eine zeitlang hat mich HipHop sehr interessiert, jetzt ist es eher Jazz oder Blues. Zuhause höre ich aber selten klassische Musik, obwohl ich Klassik-Fanatiker bin. Andere Musik ist auch entspannender, da ich mir nicht ständig überlege, wie ich das wohl spielen würde.

Man stellt sich einen Musiker immer übertrieben brav und seriös vor. Was stimmt an diesem Klischee?

Musiker machen ein Studium wie jeder andere auch. Auch wir gingen in Bars und genossen die Zeit, wie all die anderen Studenten. Klar gibt es auch die ganz Seriösen, es kommt einfach darauf an, wie man aufgewachsen ist. Mir beispielsweise liegt das Unkomplizierte näher, als sich eine Maske aufzusetzen.

Sagt er, und zündet seine vierte Zigarette an, was die Aussage zusätzlich glaubhaft macht. Vor wenigen Minuten schenkte er noch einem Mann eine «Ziggi», der ihn, mitten in einem Restaurant auf dem Bahnhofplatz in St. Gallen sitzend, um einen Glimmstängel anbettelte.

«Das ist typisch St. Gallen!», meinte er darauf lachend. Geboren in Bern, aufgewachsen im Aargau und nach einigen Jahren Wohnsitz in Zürich, lebt er nun in St. Gallen – doch auch dies nicht mehr lange. Sein Fussballclub sei aber der FCB:

«Wenn der FCB ein Spiel verliert, kann man mich die nächsten 24 Stunden nicht mehr brauchen.»

Warum ist die klassische Musik bei den Jugendlichen nicht beliebt?

Das war nie anders und wird wohl auch immer so bleiben. Wir probieren aber mit speziellen Kinder- und Familienkonzerten und speziell den «Tonhalle Late» Events den jüngeren Generationen den Zugang zu der klassischen Musik zu ermöglichen. Mein Bruder war ein Paradebeispiel. Ein klassisches Konzert zu besuchen war für ihn absolut untragbar. Das Vorurteil es sei langweilig schreckt viele ab. Dabei kann es an einem klassischen Konzert so richtig abgehen – mit Dezibelwerten die in keiner Disco erlaubt wären. Wichtig ist einfach, dass man es einmal erlebt hat.

Wie reagieren die Leute darauf, wenn Du Dich als Musiker vorstellst?

Die Jungen finden es meistens cool, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte und viel reise – letztes Jahr waren wir beispielsweise an einem Festival in Jerusalem. Die Erwachsenen fragen oft: «Ja, Musiker... und was machst Du beruflich?». Man hat einfach keine Vorstellung was ein Musiker verdient und denkt fälschlicherweise, dass alle Musiker am Hungertuch nagen.

Du hast schon extrem viele Preise gewonnen, was wünscht man sich da noch für die Zukunft?

Für viele ist die Solistenkarriere, also alleine oder mit verschiedenen Orchestern aufzutreten, der absolute Traum. Doch ich wünsche mir einfach, das Probejahr zu bestehen und anschliessend beim Tonhallenorchester in Zürich bleiben zu können. Persönlich wünsche ich mir mehr Konstanz und vermehrt die Ruhe für Freunde und Familie zu finden, nicht immer zu denken, dass ich besser üben sollte. Privat wünsche ich mir ein guter Vater zu werden, was im Dezember aktuell sein wird. Das ist es, was wirklich zählt.
Simon Knupfer

Davos Festival
Vom 26. Juli bis am 9. August wird Davos zum 23. Mal von solchen jungen Ausnahmekönnern regiert. Im Rahmen der «young artists in concert» – Konzertreihe, werden die talentiertesten Musikerinnen und Musiker das Publikum mit einem spannenden Programm verzaubern. Aussergewöhnlich sind auch die Konzertorte. Beispielsweise das Schreinerei-Konzert am 2. August, welches von einer Tanzaufführung begleitet wird, ist ebenso fester Bestandteil des diesjährigen Programms wie das Liegekonzert auf den historischen Kurliegen, welche dieses Jahr für ein Sonnenuntergangskonzert auf der Schatzalp zum Einsatz gelangen.
High5-Member profitieren vom exklusiven «First Love Ticket», welches einen Konzertbesuch auch fürs Portemonnaie zum Vergnügen macht: Eintritt Fr. 15.–.

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