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Pressestimmen

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3. Juli 2008
Zofinger Tagblatt / MLZ;
Kammermusik kompetenter Interpreten

Keiko Tamura, Klavier und Benjamin Nyffenegger, Violoncello schlugen einen Bogen zwischen östlichem und westlichem Musikverständnis und zogen das Publikum in den Bann spannungsvoller Interpretation


Es gehört bereits zur Praxis im kulturellen Engagement des Rothrister Ehepaares Berta und Ruedi Güttinger-Furrer (Praxiskeller), dass es ein begehrtes Podium für begabte Musikerinnen und Musiker anbietet und gleichzeitig auch die Chance, dabei selten gespielte Werke kennenzulernen. Ein Musterbeispiel dafür war der Kammermusikabend vom Sonntagabend mit dem Auftritt von Benjamin Nyffenegger ,Violoncello und Keiko Tamura, Klavier.

Zugleich war ihr Konzert ein Beispiel der einheitlichen Auffassung in der Auslegung exemplarischer Werke aus der spätromantischen und neuzeitlichen Musikliteratur. Der in Bern geborene und in Unterkulm aufgewachsene Cellist und die aus Tokio stammende Pianistin verschmolzen ihre Instrumente zu einem erstaunlichen mentalen und technischen Zusammenspiel. Das Publikum kam so zu einem packenden und berührenden Musikerlebnis.

Kontrastreiche Klangwelten

Am Anfang des Konzertes stand die Sonate in e-Moll Opus 38 von Johannes Brahms. Der Auftakt im «Allegro non troppo» erfolgte mit expressiven Passagen, die danach zu einem liedhaft singenden Charakter wechselten. Sie wurden mit gleicher Intensität in einem unerhört innigen Zusammenspiel ausgeleuchtet. Dem lieblichen und heiteren «Allegretto quasi Menuetto» gaben die Interpreten einen fliessenden und melodiösen Gehalt, und im «Allegro» gingen Klavier und Cello eng verschlungene, verschiedene Wege, sich ständig mit höchster Präzision kreuzend und wieder begegnend.

Der anschliessende 5. Satz «Louange à l`Eternité de Jésus» (Lobgesang auf die Ewigkeit Jesu) schrieb Olivier Messiaen (1908-1992) 1940 im deutschen Kriegsgefangenenlager in Görlitz. Darin wird die Offenbarung des Johannes, dass beim Ertönen der siebten Posaune die Zeit aufgehoben werde, musikalisch ausgelegt. Wie ein Uhrwerk markierte das Klavier in knappen Akkorden den Takt der Zeit, sorgsam die schwebende Melodie des Cellos nuancierend und betonend. Den beiden Künstlern gelang eine äusserst empfindsame und stimmungsvolle Wiedergabe, wozu die zarte und fast verhauchende Bogenführung des Cellisten Wesentliches beitrug.

Widersprüchliches im Stil und Inhalt

Sergej Prokofiew schrieb seine Sonate in C-Dur Opus 119 im Jahr 1949, als sein politischer Widersacher Josef Stalin auf dem Höhepunkt seiner Macht stand und das Schaffen des Komponisten als zu formalistisch und zu wenig volksbezogen beanstanden liess. Der Komponist selber sah seinen Stil als Zusammenspiel von vier Grundlinien: Die klassische bedient sich historisierender Tänze und Elemente, die moderne zeigt die Vorliebe für gewagte Harmonien und Dissonanzen, die motorische kennzeichnet sich durch bohrende Rhythmik und die lyrische Linie verwendet ausdrucksstarke Melodien. In der aufgeführten Sonate sind alle diese Eigenschaften vereinigt, ihre Ausprägung in den sieben Sätzen war die eigentliche Herausforderung der Interpreten und das Kunsterlebnis des Publikums. Es bestand aus virtuoser Technik mit allen Schikanen des Cellos und - ebenso eindrücklich - im Wechsel von eruptiven, harten Akzenten zu gefühlvollen Melodiebögen. Benjamin Nyffenegger und Keiko Tamura schöpften diese Gegensätze voll aus, zeigten sich als treffsicher in den Einsätzen und bauten gemeinsam Spannungen auf und wieder ab: Ein beispielhaftes Aufeinander-zu-und-Eingehen.

Kurt Buchmüller

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