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1. Mai 2008
Gemeinde Muri www.muri.ch
Der junge Aargauer Cellist Benjamin Nyffenegger gastierte mit The European String Quartet in Muri




Der junge Aargauer Cellist Benjamin Nyffenegger gastierte mit The European String Quartet, seinem dynamischen Streichquartett, in der reformierten Kirche von Muri. Die versierten und arrivierten Musiker spielten von Joseph Haydn das Streichquartett in d Moll «Quinten» Op. 76, Nr. 2, von Dmitri Schostakovitsch die Nr. 7 in fis Moll aus der Reihe des Op. 108 und nach der Pause Robert Schumanns Streichquartett in a Moll Op. 41, Nr. 1.



Wenn sich ein Streichquartett «The European String Quartet» nennt, darf man wohl etwas erwarten. Die vier jungen Musiker, die am Samstagabend im Rahmen der von Vreni Schwab organisierten «Plattform»-Konzerte in der reformierten Kirche Muri konzertierten, enttäuschten denn auch nicht, sondern schlugen vom ersten Ton an mit Kraft, Sensibilität und technischer Brillanz in moderner Aufführungspraxis die Zuhörer in ihren Bann.

Die Mitglieder des Quartetts, die Geiger Thomas Garcia und Vladimir Krasnov, der Bratschist Paul Westermayer und der Aargauer Cellist Benjamin Nyffenegger haben vor drei Jahren zusammengefunden. Sie sind allesamt mehrfach ausgezeichnet mit Preisen und Engagements in namhaften Orchestern. Ihr Wirkungsgebiet sind die Schweiz und das nahe Ausland, aber sie haben noch Grosses vor: Tourneen in ganz Europa und andern Kontinenten.

Haydns erste Streichquartette waren Gelegenheitswerke, die er zur Unterhaltung für fürstliche Kammern komponierte. Damit legte er den Grundstein für eine Gattung, die bald zur beliebtesten Form bürgerlicher Hausmusikpflege werden sollte. Die früheren Werke sind in kompositorischer Hinsicht einfach gehalten und unterscheiden sich nur wenig von den leichten Serenaden der Zeit mit einer solistischen Violine und drei begleitenden Stimmen.

In den späteren Werken, zu denen auch das Streichkonzert Op. 76, Nr. 2 in d?Moll gehört, wird das musikalische Material immer komplexer; die vier verschiedenen Stimmen erhalten gleich anspruchsvolle Aufgaben. So seufzt Haydn: «Die Welt macht mir zwar viele Komplimente, auch über das Feuer meiner letzten Arbeiten. Aber niemand will mir glauben, mit welcher Mühe und Anstrengung ich dasselbe hervorsuchen muss, indem mich manchen Tag mein schwaches Gedächtnis und die Nachlassung der Nerven dermassen zu Boden drücken, dass ich in die traurigste Lage verfalle und hiedurch viele Tage nachher ausser Stande bin, nur eine einzige Idee zu finden.»

Diesen Eindruck hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der reformierten Kirche aber keineswegs, präsentierte sich ihm das 1796/97 entstandene Werk doch in schöpferischer Frische und innerer Dichte.

Dmitri Schostakowitsch, einer der bedeutendsten Komponisten der Sowjetunion und des 20. Jahrhunderts, schrieb Sinfonien, Opern, Kammer- und Filmmusik, bis ihn der Bannstrahl der kommunistischen Kulturideologen unter der Führerschaft von Stalin traf. Monatelang rechnete er der «entarteten» Musik wegen damit, des Nachts verhaftet und liquidiert zu werden. Er fühlte sich weder zum Helden noch zum Märtyrer geschaffen und flüchtete in die innere Emigration und vorgetäuschte Regimetreue. Schostakowitschs Streichquartette sind in hohem Masse persönliche Bekenntnismusik.

Das 1960 entstandene Streichquartett fis?Moll Op. 108, Nr. 7 widmete er dem Gedenken an seine erste Frau Nina, die Jahre zuvor im Alter von nur 45 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben war. Wilde dissonante Sforzato-Schläge lassen sich nur als Ausdruck von Todesangst deuten. Das Stück hinterliess beim Zuhörer einen sehr starken Eindruck.

Auch Robert Schumanns Kammermusik enthält eine überwältigende Stimmungsfülle. Herrlich herausgearbeitete Gegensätze zwischen Kraft und Zartheit, Licht und Dunkel wechseln in bunter Reihenfolge. Stärker als in anderen Kompositionen hält sich Schumann als Quartettkomponist an den strengen klassischen Aufbau. Vorbild war die formale Konzentration Mendelssohns, dem er nicht ohne Grund die drei Streichquartette Op. 41 widmete.

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