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1. Dezember 2007
NZZ Neue Zürcher Zeitung
Malende Musiker

Das European String Quartet im «Geheimtipp am Mittag»


Thomas Schacher

Wie soll sich ein Streichquartett nennen, das aus einem argentinischstämmigen Schweizer, einem Russen, einem Neuseeländer und einem Schweizer besteht?

Dass sich die Geiger Thomas Garcia und Wladimir Krasnow, der Bratscher Paul Westermayer und der Cellist Benjamin Nyffenegger vor zwei Jahren zum European String Quartet formierten, darf wohl als Verlegenheitslösung bezeichnet werden. Zu hören war das junge Ensemble am Donnerstag im «Geheimtipp am Mittag» im Kulturhaus Helferei. Das vom Rahn-Kulturfonds unterstützte Konzert präsentierte mit Benjamin Nyffenegger gleichzeitig einen Preisträger des Rahn-Musikwettbewerbs 2006.

Die vier Spieler führten sich mit dem 2001 entstandenen Streichquartett des Schweizer Komponisten Fabian Müller ein. Dieses Werk passte ausgezeichnet zu dem anschliessend dargebotenen Brahms-Quartett, denn Müller ist einer, der in jedem Takt seines Werks zeigt, dass er seine Klassiker studiert hat. Die künstlerische Gratwanderung zwischen produktiver Aneignung und Epigonentum gelingt nicht überall in gleicher Weise. Während die ersten beiden Sätze demonstrativ auf der europäischen Streichquartett-Tradition fussen, beschreitet das Finale, Tempo di Bulerias, originelle Wege. Auf anregende Art spielt der Komponist hier mit der geraden und der ungeraden Aufteilung des Metrums, und die vier Streicher interpretierten das in packender Art.

Am bekannten Objekt, nämlich am a-Moll-Streichquartett op. 51/2 von Johannes Brahms, zeigte sich dann der Interpretationsstil des European String Quartet noch deutlicher. Generell kann man sagen, dass die Musiker mehr malen als zeichnen. Das Positive daran ist ein schönes Fliessen des musikalischen Verlaufs. Die Gefahr besteht darin, dass dies in Behäbigkeit umschlägt, und dieser Gefahr ist das Quartett nicht immer entgangen. Im ersten Satz hätte man gerne etwas mehr Zuspitzungen erlebt, mehr abrupte Übergänge und eine grössere dynamische Breite. Im Andante hätte ein schlankerer Ton die kontrapunktische Struktur noch deutlicher gemacht. Und im Minuetto hätte der Leggiero-Charakter noch mehr aufscheinen können. Einen wirkungsvollen Abschluss des Konzerts bildete das extravertiert gespielte Finale, bei dem die Spieler hohes technisches Können mit hervorragend abgestimmtem Zusammenspiel verbanden.

Zürich, Kulturhaus Helferei, 29. November.

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