home
EinstiegsseiteAktuellesVitaEnsemblesKonzerteProjektePresseRepertoireDownloadsLinksKontaktD
Pressestimmen

« zurück

24. August 2007
Aargauer Zeitung, MLZ,Ressort Kultur
Vielseitiges Talent

Klassik: Bruno Ruch sprach mit dem jungen Musiker: Der junge Aargauer Cellist Benjamin Nyffenegger spielt gern solo und im Ensemble.

Herr Nyffenegger, welches ist Ihr familiärer und musikalischer Hintergrund?

Benjamin Nyffenegger: Meine Eltern sind keine Berufsmusiker, aber Musik war zu Hause immer präsent. Der Vater spielte Flöte und leitete zeitweilig ein Laienorchester. Wir gingen oft ins Konzert. Die ältere Schwes- ter, frischgebackene Anglistin, spielte Geige. Der jüngere Bruder, heute Philosophiestudent, spielte Klavier und später Schlagzeug, beides mehr in Richtung Jazz. Wir waren auch angefressene Fussballer. Doch er war begabter, so konzentrierte ich mich aufs Cello.

Und wieso gerade Cello?

Nyffenegger: Ich glaube, es war ein Konzert mit Simon Estes. Ich habe keine Ahnung mehr, was gespielt wurde, denn ich war etwa fünf. Aber ich erinnere mich an ein wunderbares Cellosolo, das in mir spontan das Interesse für dieses Instrument weckte. Später hörte ich Rafael Rosenfeld, einen der Tonhalle-Solocellisten, am Fernsehen. Da war klar: Mit sieben bekam ich meinen ersten Unterricht. Einen Dämpfer verpasste mir allerdings der Leiter der Musikschule unseres Dorfes. Er fand, ich habe zu kurze Arme und solle besser Blockflöte spielen. Das kam für mich nicht infrage, und ich kam zu Magdalena Sterki-Hauri an der Musikschule Reinach, die ich über Jahre hinweg besuchte.

Aber studiert haben Sie an der Zürcher Musikhochschule und bei Walter Grimmer.

Nyffenegger: Richtig. Ihm verdanke ich sehr viel, nicht nur musikalisch! Auch menschlich habe ich sehr von ihm profitiert. Er ist sehr belesen, vielseitig interessiert und hat mir den Blick für die ganze Vielfalt der Kultur geöffnet. Auch Thomas Grossenbacher, bei dem ich das Konzertdiplom machte, war eine prägende Persönlichkeit für mich.

Welches sind Ihre Vorbilder?

Nyffenegger: Lange schwärmte ich für die kanadische Cellistin Ofra Harnoy, vielleicht auch, weil sie auf dem CD-Cover so toll aussieht. Auch heute noch bewundere ich Mischa Maisky. An ihm schätze ich die Authentizität. Er bleibt sich treu und sucht immer seinen eigenen Weg, der ihm auch Kritik einträgt. Er wagt es, sich zu exponieren, das gefällt mir, und sein lyrischer Ansatz ist unerreicht. Seine umstrittenen Bach-Suiten finde ich packend. Mich interessiert die Handschrift des Interpreten und nicht die ‹richtige› Interpretation. Ein Dirigent, unter dem ich gerne mal spielen möchte, ist Daniel Barenboim. Sein Wagner ist eine Wucht!

Sie sind also eher Anhänger eines grossen, romantischen Klangideals?

Nyffenegger: Das kann ich nicht so beantworten. Ich weiss einfach, dass ich nicht in erster Linie der Virtuose, der Techniker bin. Ich versuche einfach, den unterschiedlichen Stilen der Komponisten und Epochen nachzuspüren. Ich habe mich längere Zeit mit dem Barockcello befasst, was sehr lehrreich war. Dennoch ist es nicht meine Welt. Ich fühle mich nicht als Solist, was in klein besetzten Barockensembles fast zwangsläufig der Fall ist.

Ihr Repertoire ist demnach auch das romantische?

Nyffenegger: Ja. Auch zeitgenössische Musik muss dem Klang verpflichtet sein, sonst kann ich nichts damit anfangen. Dass sich dieser nicht immer beim ersten Mal erschliesst, ist selbstverständlich. Aber nur Geräusche auf meinem Instrument zu produzieren, wäre nicht mein Ding.

Wo sehen Sie Ihre Laufbahn?

Nyffenegger: Ich fühle mich eher als Orchester- und Ensemblemusiker. Ich hatte nie das Ziel, mich auf dem Podest als Solist zu inszenieren. Ich habe Kollegen erlebt, die emotional massive Abstürze hatten, weil sie sich ausschliesslich als Solisten einstuften. Der Markt ist gesättigt von hervorragenden jungen Cellisten: Maximilian Hornung, Sol Gabetta, Nicolas Altstaedt und viele mehr. Natürlich spiele ich gern solistisch, aber ich fühle mich ebenso wohl im Ensemble, in der Kammermusik und im Orchester.

Das pflegen Sie ausgiebig?

Nyffenegger: Ja, ich war ein Jahr Praktikant in der Tonhalle unter Zinman: eine fantastische Erfahrung. Ich war interimistischer Solocellist in St. Gallen und jetzt in Luzern. Jetzt spiele ich im European String Quartet, wo ich buchstäblich der Benjamin bin › eine tolle Herauforderung. Schliesslich bin ich Mitglied des Salon-Ensembles «La Jalousie». Da kann ich meine sentimentale Seite ausleben, das macht enorm viel Spass.

Badenfahrt Mit Trio La Jalousie im Lions-Club-Festlokal. Am Sonntag um 12.15 Uhr. Musikalische Begegnungen Lenzburg Am 29. August im alten Gemeindesaal um 20.15 Uhr.

zur Person

Benjamin Nyffenegger ist 1984 in Bern geboren. Er wuchs aber im aargauischen Unterkulm auf. Mit der einst bekannten Schweizer Cellistin Esther Nyffenegger ist er nicht verwandt, er würde sie aber gerne einmal kennen lernen. Nach dem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste bestand er 2006 die Aufnahmeprüfung an die Hochschule für Musik «Hanns Eisler» in Berlin, in die Klasse von Troels Svane. Der Beginn des Studiums wurde wegen des Einsatzes im Sinfonieorchester St. Gallen verschoben. Nyffenegger wurde zum Argovia-Artist 2007/2008 ernannt.

« zurück