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Pressestimmen

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2. Mai 2006
Neue Zürcher Zeitung
Konkurrenz unter jungen Streichern

Verleihung des Rahn-Musikpreises 2006

tsr. Wie wird man Solist? Der Weg an die Spitze ist mit einer Pyramide vergleichbar, der Platz gegen oben wird immer enger. Die Vorstufe des Solisten bildet der Preisträger. Zu den bekannten schweizerischen Musikpreisen zählt der Rahn- Musikpreis. Der 1976 von Hans Konrad Rahn begründete Concours wird alle zwei Jahre durchgeführt und steht Studierenden von Schweizer Hochschulen und Konservatorien bis zum 27. Altersjahr offen. Dieses Jahr war der vom Rahn- Kulturfonds zusammen mit der Hochschule Musik und Theater Zürich vergebene Preis für Streichinstrumente ausgeschrieben. Eine internationale Jury hat acht Preisträger ausgewählt. Sechs von ihnen haben sich im Preisträgerkonzert in der Tonhalle vorgestellt, bei dem das Sinfonieorchester der Musikhochschule Zürich unter der Dirigentin Claire Levacher mitwirkte.

Wie unterschiedlich im Charakter sind doch die sechs Gewinner von ersten und zweiten Preisen. Der Geiger Alexander Grytsayenko offenbarte sich bei der «Sérénade mélancolique» von Tschaikowsky als gefühlvoller Romantiker, im «Grand duo concertant» von Bottesini als Virtuose mit Temperament. Der in diesem Stück mitwirkende Kontrabassist Samuel Alcantara beeindruckte das Publikum als origineller Vollblutmusiker, der blitzschnell zwischen Melodischem und Begleitendem wechseln kann. Von sensiblem, eher introvertiertem Charakter ist der Cellist Lionel Cottet, der in Dvoráks Rondo op. 94 manchmal im Orchesterklang unterging. Dass er einen ersten Preis gewonnen hat, ist nicht ganz nachvollziehbar, zumal der Vergleich mit Benjamin Nyffenegger in Bruchs «Kol Nidrei» zeigte, dass dieser Cellist, obwohl von bescheidenem Charakter, bezüglich Grösse und Weite des Klangs einiges mehr bietet. Einen selbstsicheren Eindruck hinterliess der Bratschist Veit Hertenstein, der in Webers «Rondo ungherese» einen kecken Tonfall fand. Zum Schluss dann endlich eine Preisträgerin: Was die zwanzigjährige Geigerin Mayuko Kamio in Chaussons «Poème» zeigte, übertraf alles Vorherige. Diese Konzentration, diese unerhörte Spannkraft, diese Gestaltungsgabe sucht ihresgleichen. Die Japanerin ist schon Solistin, die anderen Preisträger werden es vielleicht noch.

Zürich, Tonhalle, 30. April.

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