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1. November 2004
Tonhalle-Forum
Ich war noch nie ein Musterschüler

Ein Gespräch mit Benjamin Nyffenegger, der im August aus Aspen zurückgekehrt ist- um einige Erfahrungen reicher.


Das erste, von David Zinman gestiftete Stipendium für das Aspen Music Festival und die daran angeschlossene Schule erhielt ein junger Cellist.

Für das von David Zinman gestiftete Stipenduim hat es einige Dutzend Bewerbungen gegeben- von Musikern und Musikerinnen im Alter von 15 bis 30 Jahren. Wissen Sie, warum sich David Zinman für Sie entschieden hat?

Benjamin Nyffenegger: Er hörte meine Einspielung -es war das C-Dur Cellokonzert von Haydn und Kol Nidrei von Max Bruch- bei einer Autofahrt. In einem Interview sagte David Zinman dann einmal, dass er mein Spiel sehr kommunikativ, sehr musikalisch fand. Er sagte auch, dass ich etwas aus der Schweiz nach Aspen bringen würde und umgekehrt auch etwas mit nach Hause nehmen würde. Er hörte aus meinem Spiel wohl eine gewisse Offenheit heraus in alle Richtungen.

Tonhalle forum: Welche Erfahrungen haben Sie nach zweieinhalb Monaten Aspen schliesslich mit nach Hause nehmen können?
Benjamin Nyffenegger: Ich habe dort sehr gute Freunde gewonnen und bekannte, sehr gute Musiker persönlich kennen gelernt: Joshua Bell beispielsweise, die Musiker vom Guarneri-Quartett oder Alexander Kerr, den Konzertmeister des Koninklijk Concertgebouworkest, zu dem ich sehr engen Kontakt hatte. Ausserdem hatte ich intensiv Gelegenheit , in Orchestern zu spielen - auch als Solocellist. Ich musste in kurzer Zeit sehr viel Material lernen und habe, da meine Zukunft wahrscheinlich ohnehin in diese Richtung gehen wird, auch einen Einblick in das Leben als Orchestermusiker erhalten.

Tonhalle forum: Haben Sie auch neue künstlerische Impulse empfangen?

Benjamin Nyffenegger: Ja, die amerikanische Art zu musizieren und zu unterrichten ist schon sehr verschieden von derjenigen hier in Europa. Ich hatte Unterricht bei Alan Harris von der Eastman School of Music, und mir fiel sehr auf, dass der Umgang mit den Studenten ein sehr freundlicher, auch verständnisvoller ist. Es wird vieles auch einfach der Zeit überlassen. Im Unterschied zu Europa, wo oft sehr analytisch an die Werke herangegangen wird, legt man mehr Wert auf einen guten Sound und darauf, dass schlicht laut gespielt wird. Das hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen.

Tonhalle forum: Mit welchen Gefühlen sind Sie nach Ihrem Aufenthalt in Aspen in die Schweiz zurückgekehrt?

Benjamin Nyffenegger: Hierher zurückzukommen war schon eine Umstellung: Man mag es eben, Student zu sein- oder man mag es eben nicht. Um ehrlich zu sein, wäre ich im Moment lieber kein Student mehr. Obwohl ich mit Thomas Grossenbacher vom Tonhalleorchester einen wirklich grossartigen Lehrer habe. Aber eben: Ich war noch nie ein Musterschüler und passe wohl nicht so recht in diese Strukturen.

Tonhalle forum: Welche Pläne haben Sie in nächster Zukunft?

Benjamin Nyffenegger: Ich habe gerade das Hauptstudium am Zürcher Konservatorium abgeschlossen und hoffe in zwei Jahren mein Konzertdiplom gemacht zu haben. Zurzeit spiele ich auch mit dem Gedanken, noch einmal in die USA zu gehen. Es gibt verschiedene interessante Orte: Das Curtis Institute in Philadelphia beispielsweise. Vielleicht gehe ich aber auch noch einmal nach Aspen. Und dann werde ich sicherlich bei verschiedenen Orchestern vorspielen. Sehr gern auch beim Tonhalleorchester hier in Zürich- für mich im Moment eines der besten Orchester überhaupt. Sollte es freie Stellen geben, so würde ich aber auch sehr gern beim Koninklijk Concertgebouworkest in Amsterdam oder bei den Berliner Philharmonikern vorspielen. Das wäre natürlich ein Traum!



(Anja Lachmann)

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