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31. Mai 2016
Oltener Tagblatt
Schnyder Trio begeistert mit träumerischem Programm

Mit einem rasanten bis träumerischen Programm begeisterte das Schnyder Trio am Konzert der Hans Huber Stiftung im Casinosaal. Zurzeit nimmt das Trio alle Klaviertrios von Beethoven auf.

Markus Christen

Aufzutauchen und zu ertrinken markieren als ästhetische Ereignisse zwei Seiten derselben Medaille. Das wusste und schrieb der Dichter T. S. Eliot am Ende seines «Liebeslieds des J. Alfred Prufrock».

Denn das Ende des Liedes als reines Klangereignis und unmittelbares Berührtsein verzweigt sich ins paradoxe Imperfekt aus Verlorenheit und Erinnerung. Selbst stumm geworden, kann nur noch über den Klang gesprochen werden. So wird man ihn in der Benennung immer verfehlen.

«Oh, diese verdämmerte Dialektik», mag der Leser jetzt denken. Aber ausser ihr bleibt nichts übrig, um sich der Musik des Schnyder Trios anzunähern und einen Beschreibungsversuch zu wagen, der die von ihr ausgelöste pure Freude und Versöhnung vermittelt.

Ein begeisterndes, an Stellen wild-rasantes, an Stellen nächtlich-träumendes Konzert spielte dieses Schnyder Trio, das vor vier Jahren debütierte und seither grosse internationale Erfolge feierte, am Sonntagabend im sehr gut besetzten Casinosaal in Schönenwerd. Eingeladen von der Hans Huber Stiftung, präsentierten die drei Aargauer Musiker Oliver Schnyder am Klavier, Andreas Janke an der Violine und Benjamin Nyffenegger am Violoncello drei Klaviertrios, die ein umfassendes Spektrum an musikalischer Ausdruckskraft und Selbstreflexion beinhalteten.
Assoziationen und Brüche

Voller Hingebung und Feingefühl stellte sich dabei das «Zigeunertrio» von Joseph Haydn (1732–1809) dem Publikum vor. Um einiges aufgewühlter schon war das «Gassenhauertrio» des Haydn-Schülers Ludwig van Beethoven (1770–1827), welches das Konzert am Sonntag eröffnete. Mit seinem Reichtum an Assoziationen, Brüchen und Selbstbezügen gab sich das Musikstück zu erkennen als Repräsentation einer aufgewühlten Zeit, die mit der Französischen Revolution 1789 eingeläutet wurde.

Lyrischer und dem Sinn nach einer Erzählung gleichend mit seinen dichten Kulminationspunkten sodann, entwickelte sich das Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8 von Johannes Brahms (1833–1897). Das Schnyder Trio, das sich durchgängig meisterhaft unaufgeregt und vertieft zeigte, bot dem Publikum am Sonntag auch einen hörbaren Einblick in die Musikgeschichte.

Die Trioformation wusste zu verzaubern aufgrund ihrer Transparenz, die im Adagio der Komposition von Brahms einen tief berührenden Höhepunkt erreichte. Beeindruckend auch war zu sehen und zu hören, wie die individuellen Persönlichkeiten der Musiker in den Vorträgen Ausdruck erhielten.
Der Trio-Literatur auf der Spur

Die Musiker selbst schätzen an der Trioformation die Offenheit, die sich für ihre eigene Entwicklung bietet. «Wir wollen uns bewusst nicht auf eine bestimmte Nische spezialisieren», sagt Benjamin Nyffenegger, der als stellvertretender Solocellist im Tonhalle-Orchester Zürich wirkt und dort auch Andreas Janke kennen gelernt hat, den 1. Konzertmeister des Orchesters.
«Wir wollen die Musik spielen, die uns interessiert.

Und im Repertoire deutschsprachiger Komponisten fühlen wir uns sehr wohl», ergänzt Oliver Schnyder, der als Solo-Künstler verschiedene preisgekrönte Aufnahmen veröffentlicht hat. «Wir wollen uns nach und nach vertraut machen mit den Komponisten, die Hauptwerke für Klaviertrios geschrieben haben», sagt Oliver Schnyder.

Das Schnyder Trio wusste sein Publikum am Sonntag auf ganzer Linie zu entzücken. Zusammenfassend kann dieser Entzückung keine Dialektik beikommen. Der Hinweis auf den lange anhaltenden Applaus muss genügen.

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