home
EinstiegsseiteAktuellesVitaEnsemblesKonzerteProjektePresseRepertoireDownloadsLinksKontaktD
Pressestimmen

« zurück

29. April 2016
Aargauer Zeitung/ Badener Tagblatt
«Mittelmässigkeit gibt es nicht»

Klassik Der Cellist Benjamin Nyffenegger tritt mit dem Julia-Fischer- Quartett im Aargau auf – eine Heimkehr

VON FLAVIA BONANOMI

«Das Angenehmste ist, dass man sitzen kann», lacht Benjamin Nyffenegger, als man ihn fragt, warum er das Cello gewählt habe. «Nein, im Ernst: Mich hat der Klang schon immer tief berührt. Und ich habe dann schnell gemerkt, dass ich mich gut dadurch ausdrücken kann.» Die Entscheidung war eine bewusste: Auch wenn er «erst» mit 7 Jahren anfing zu spielen, und noch vieles anderes machte nebenher. Nur beim Instrument war es von Anfang an klar: «Da gab es nichts anderes.»
Mit dem Julia-Fischer-Quartett ist er einmal im Jahr in ganz Europa unter- wegs. «Ich habe Julia Fischer bei einem gemeinsamen Kammermusikkonzert in der Tonhalle kennengelernt.» Kurz darauf entschlossen sie sich, mit Alexander Sitkovetsky (Violine) und Nils Mön- kemeyer (Viola) ein Quartett zu grün- den.

Perfektion der Streicher

Nyffenegger ist in Eile, er muss zu- rück zu seinen Kindern. Auf Tournee fehle ihm die Familie extrem, sagt er. Das sei heute schon anders als früher. Trotzdem nimmt er sich Zeit, von sei- ner Leidenschaft zu sprechen – und davon, wie es ist, mit einem renommierten Quartett auf Tournee zu gehen. «Mit einer Klischee-Rockband kann man das sicher nicht vergleichen», lacht Nyffenegger, «die Zeiten sind vorbei, als man auf Tournee jede Nacht durchfeierte. Man merkt recht schnell, dass das nicht geht.» Gerade jetzt, wo alle älter sind, er selbst auch eine Familie hat, sei es anspruchsvoll, alles unter einen Hut zu bringen. «Ferien ist für viele Musiker ein Fremdwort.» Zum ersten Mal seit langem schaffen er und seine Frau, die ebenfalls Cellistin ist, es, dieses Jahr wieder wegzufahren – ohne Instrumente. Das müsse jetzt auch mal sein, obwohl es Gefahren mit sich bringt: Einen Tag ohne Üben werfe einen gleich um mehrere Tage zurück. «Dafür arbeitet man an einem neuen Stück auch nicht unbedingt sehr lang.»
Das Spielen eines Instruments klingt fast nach Hochleistungssport, wenn Nyffenegger spricht: «Man ist extrem gefordert, die ‹instrumentale Fitness›, die man sich über Jahre antrainiert hat, ist sehr wichtig.» Nyffenegger hat hohe Ansprüche an sich selbst. Und an seine Mitmusiker; doch dabei wird er auch nicht enttäuscht: «Mittelmässigkeit ist etwas, was im Konzertleben vollkommen aussen vor gelassen werden kann. Zum Glück!»
Das Programm für diese Tournee haben sie, wie alle bisherigen auch, gemeinsam zusammengestellt. Zu einem gewissen Grad könne sich dabei jeder selbst verwirklichen. Dvořák und Schubert werden zu hören sein, sowie Musik des österreichisch-ungarischen Komponisten Bohuslav Martinů, der vor seinem Tod in Liestal lebte.

Freunde und Kollegen

Ob auch Freundschaften entstünden, wenn man so lange miteinander unterwegs ist? «Das würde man sich nicht antun, wenn das Verhältnis unter einander schlecht ist.»
Von diesem Konzert erhofft sich Nyffenegger, dass jeder Besucher etwas mitnehmen kann – ob er sich mit der Musik auskennt oder nicht. «Niemand soll aus dem Saal gehen und sich sagen, er habe nun zwei Stunden seines Lebens verschwendet. Die Leute sollen berührt sein, auf einer emotionalen Ebene.»

Boswil Do, 5. 5., 17 Uhr, Künstler- haus Boswil.

Riehen Fr, 6. 5., 19.30 Uhr, Land- gasthof.

« zurück