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6. Dezember 2015
Aargauer Zeitung/ Badener Tagblatt
Lieber gefrorene Tränen als Siedetemperaturen

Daniel Behle und das Schnyder Trio trat bei den Wettinger Kammerkonzerten auf (WKK) – ihr Schubert ging unter die Haut

«Durchstreichen und weitergehen», lautet des Hauptmanns Devise in August Strindbergs Ehehöllendrama «Totentanz». Das kann man als Kaltschnäuzigkeit, aber auch als Wille zum Leben interpretieren – gerade dann, wenn einer um die durch eigenes Verschulden verursachte, verlorene Liebe, trauert.

Weitergehen: Ist es das, was Franz Schuberts «Winterreise» zu Texten von Wilhelm Müller als Trost birgt? «Nein», sagt man spontan und denkt an die letzten Zeilen schierer Ausweglosigkeit. «Doch», entgegnet der Tenor und Komponist Daniel Behle, der dem verschatteten bis nachtschwarzen Liederzyklus auch lichtere Seiten abgewinnt. Behle erzählt die «Winterreise» retrospektiv: der letzten Liedstrophe gemäss als «Leiermann», der unentwegt sein Unglück «herunterleiert».
Klavierstimme ist der Herzschlag

Dieser Ansatz ist ungewöhnlich – und das ist auch Behles Bearbeitung für Gesang und Klaviertrio. Geht nicht, hört man den Einwand. Geht, erwidert man. Vorausgesetzt, die musikalischen Eingriffe werden derart subtil gesetzt wie von diesem Sänger. Behle weiss: An der Klavierstimme darf er nicht rütteln; sie ist der Herzschlag dieses Liedzyklus’, aber er kann diesen kontrastieren und zum Beispiel mit Flageolett-Tönen der Violine oder Tremoli des Cellos geisterhaft zuspitzen. So entsteht eine neue Klangwelt: unheimlich; nie verschwommen, sondern klar, ja scharf ausgeleuchtet.

Traumhaft sicher bewegt sich Daniel Behle im weiten Land einer seelischen Erhitzung, die lieber – wie im dritten Lied – von «Gefrornen Tränen» als von Siedetemperaturen spricht. Dabei kocht und brodelt es doch unentwegt in den Begleitfigurationen, die Oliver Schnyder (Klavier), Andreas Janke (Violine) und Benjamin Nyffenegger (Violoncello) kongenial spielen. Damit wiederholte sich im zweiten Teil, was im ersten – beim Vortrag des monumentalen Klaviertrios Nr. 2 in Es-Dur – als Hoffnung keimte: eine erneut kaum auszuhaltende, bohrende Intensität. Damit wird sich dieses Konzert einen Ehrenplatz in der Reihe denkwürdiger Abende der Wettinger Kammerkonzerte (WKK) sichern.
Elisabeth Feller

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