home
EinstiegsseiteAktuellesVitaEnsemblesKonzerteProjektePresseRepertoireDownloadsLinksKontaktD
Pressestimmen

« zurück

2. Januar 2015
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
Das Julia-Fischer-Quartett in Zürich

Ensemblegeist

Thomas Schacher

Der Name des Ensembles suggeriert, dass da ein Star zusammen mit drei Begleitern musiziert. Der optische Eindruck könnte das Vorurteil bestätigen: Beim Quartettabend im ausverkauften Kleinen Saal der Tonhalle Zürich tritt Julia Fischer im roten Kleid auf, während ihre drei Partner schwarze Anzüge tragen. Doch kaum beginnen die vier Musiker zu spielen – Beethovens Streichquartett op. 18/4 macht den Anfang –, wird man eines Besseren belehrt. Denn Julia Fischer ist nicht nur die gefeierte Solistin, sondern auch eine begnadete Kammermusikerin. Im Julia-Fischer-Quartett, das sie 2011 gegründet hat, ist sie zwar die Primaria, aber sie versteht es hervorragend, sich ins Ensemble einzufügen. Auch Alexander Sitkovetsky, der zweite Geiger, hat ein starkes Profil, der Bratscher Nils Mönkemeyer ist ein aufmerksamer Vermittler, und Benjamin Nyffenegger, stellvertretender Solocellist im Tonhalle-Orchester Zürich, hält das Geschehen mit untrüglichem rhythmischem Gespür zusammen. Vier Persönlichkeiten also, aber ein einziger Gestaltungswille.

Die Fähigkeit des Ensembles, jedem der drei Quartette ein eigenes Gesicht zu geben, fasziniert. Beethovens c-Moll-Werk erscheint da, obwohl zu seinen frühen Quartetten gehörend, als ein leidenschaftliches Gebilde. Auffallend etwa der kräftige Zugriff in der Durchführung und in der Coda des ersten Satzes. Ganz anders klingt zum Schluss Robert Schumanns A-Dur-Quartett op. 41/3. An die Stelle des direkten Zugangs tritt hier der verstellte Ausdruck. Stilisierung und Disziplin prägen die Interpretation, so dass die Komposition nicht als schwelgerisch-romantisches, sondern als ein mannigfaltig gebrochenes Gebilde erscheint. Zum Höhepunkt des Abends wird das Streichquartett Nr. 8 von Dmitri Schostakowitsch. Das Werk, das der Komponist gemäss seiner Tochter sich selbst gewidmet hat, hält ungefähr die Mitte zwischen Beethovens Expressivität und Schumanns Stilisierung. Beide Elemente kommen in der Deutung des Julia-Fischer-Quartetts meisterhaft zum Zug.

« zurück