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Pressestimmen

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22. Januar 2014
Der Bund
Der Rest ist Schweigen

Suchtpotential voll ausgeschöpft

Das Oliver-Schnyder-Trio empfiehlt sich im Rahmen des «Meisterzyklus»
mit Schuberts Klaviertrios.

Sascha Wegner
Vielleicht bei keinem anderen drängt sich so sehr die Frage auf, was man überhaupt noch über ihn sagen kann: Die Versuchung, sich Schuberts Musik spekulativ als einer Philosophie in Tönen zu nähern, ist gross. Ohne sich Floskeln und Superlativen hinzugeben, scheint unmöglich. So bleibt uns Sterblichen nur, über die Kunst ihrer Interpretation zu berichten. Schu- berts Klaviertrios mit dem Oliver-Schnyder-Trio im Kultur-Casino bieten dafür nun reichlich Gelegenheit.
Mit erfrischendem Zugriff nahm sich die Formation Schuberts später Kostbarkeiten an. Eine beachtliche Zuhörer- menge lauschte der auf hohem Niveau gespielten Musik. Allein, hier musste gegen eine für Kammermusik ungünstige Saal-Akustik angespielt werden: So drohten die Feinheiten harmonischer Wendungen verloren zu gehen, zumal der weit geöffnete Flügel streckenweise die beiden subtil agierenden Streicher übertönte. Über Qualität und Grad der Virtuosität lässt sich dennoch nicht streiten: Dass Oliver Schnyder in einer Klasse für sich spielt, konnte er in Bern zuletzt mehrfach unter Beweis stellen – als Kammermusiker steht er dem Solis- ten nicht nach. Andreas Janke und Benjamin Nyffenegger erweisen sich hier als ebenbürtige Partner mit kontrollierter Artikulation, die im B-Dur-Trio im Duett des Andante, einer regelrechten «Szene ohne Worte», zum Ausdruck kam.
Auch wenn es im Zusammenspiel et- was «dreckiger» hätte zugehen dürfen, vor allem im Kopfsatz des Es-Dur-Trios: Kann man es verdenken, wenn stattdessen den verschlungenen Wegen schu- bertscher Harmonik nachgespürt wird? Der distinguierte Versuch, sich dem berühmten Andante con moto zu nähern, lebte von der reizvollen Idee, es langsam anzugehen – quasi «senza moto». Bei herausragend ausgelebter Dynamik wirkte die Agogik teilweise doch übertrieben – vielleicht wegen des verhaltenen Tempos? Der eingängigen Melodie brachte es keinen Schaden: Da summte das Publikum schon mal mit. Im an Ideen überbordenden Finale, das auch mit Reminiszenzen an das Andante nicht geizt, zeigte sich noch einmal die ganze zupackende Kraft des Trios. Das Suchtpotenzial dieser unwiderstehlichen, nicht enden wollenden, der Zeit enthobenen Musik wurde voll ausgeschöpft – und darin wohl liegt die ganze Kunst der Interpretation, welche das Oliver- Schnyder-Trio glänzend beherrscht.

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