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26. August 2014
Kultur/ Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft AUT
Humorvolle Spielart und dramatische Aussagekraft

Das „Julia Fischer Quartett“ begeisterte bei seinem Schubertiade-Debüt

Silvia Thurner

Bei der Schubertiade Schwarzenberg ist etwas los. Man hört zwar kaum Menschen im Vorarlberger Dialekt sprechen, dafür trifft sich hier ein internationales Publikum, das seine Stars feiert. Viele Fans kamen zum Debütkonzert des aus München stammenden „Julia Fischer Quartetts“ in den Angelika-Kauffmann-Saal und erlebten Werkdeutungen, die unter die Haut gingen.

Julia Fischer ist eine herausragende Geigenvirtuosin und gleichwertig tritt sie auch als Pianistin auf. Eine große Liebe verbindet sie mit der Kammermusik und so gründete sie vor drei Jahren ein eigenes Quartett. Alexander Sitkovetsky an der zweiten Violine, Nils Mönkenmeyer an der Viola und Benjamin Nyffenegger am Violoncello fügten sich gemeinsam mit Julia Fischer, die die Position der Primgeigerin souverän ausfüllte, zu einem mitreißenden Ensemble zusammen. Gut nachvollziehbar spielten sie ihre Rollen als gleichwertige Partner, aber doch mit unterschiedlichen Charakteren. Die Zuhörenden ließen sie Anteil nehmen an ihrer großen Freude bei der musikalischen Gestaltung und der humorvollen Spiellaune. Den Schlagabtausch, den sich Julia Fischer und Alexander Sitkovetsky gut und gerne lieferten, wirkte nie aufgesetzt, sondern stets musikalisch durchdacht. Die vermittelnde Rolle spielte der Bratschist. Er wusste genau, in welcher Passage er sich dem Cello und wann den hohen Streichern hinzugesellen sollte und setzte sich wunderbar in Szene, wenn er dazu die Gelegenheit bekam. Der Cellist bildete den ruhenden Pol und bot ein gutes Fundament. Selten hat ein Streichquartett neben der musikalischen Meisterschaft auch einen derart großen Erlebniswert in der Liveperformance geboten wie das „Julia Fischer Quartett“.
Die Intensität spürbar gemacht


Den Höhepunkt des Abends stellte die eindrückliche Interpretation des 8. Streichquartetts, Opus 130 von Dmitri Schostakowitsch dar. Mit einem organischen Gesamtklang entfalteten die Quartettmusiker eine innere Ruhe und spannten erzählende Melodielinien darüber. Die Eigenschaften der drei Largo-Abschnitte loteten sie dabei eindringlich aus, nicht zu schwer und mit einer intensiven Aussagekraft. Gewaltig brach das Allegro herein und der befremdende Walzer verfehlte auch bei dieser Werkdeutung seine Wirkung nicht. Die Spannung hielten die Quartettmusiker bis zum letzten Ton und sie setzten Akzente und Zäsuren, die den musikalischen Fluss immer wieder aufsprengten.
Energiegeladene Werkdeutungen


Schostakowitsch wurde von Beethoven und Schumann flankiert. Konstrastreich und energiegeladen stellte das „Julia Fischer Quartett“ Beethovens Streichquartett, op. 18/4 in den Raum. Abrupte Wechsel und zügige Tempi verliehen der Werkdeutung eine eher ungestüme Ausstrahlung. Hervorragend kommunizierten die Quartettmusiker das Andante scherzoso.

Das Streichquartett op. 41/3 von Robert Schumann wurde mit einem lyrischen Grundton angestimmt und dann ebenso energetisch dargeboten wie die zuvor erklungenen Werke. Vor allem im Finalsatz entwickelten die Musiker einen mitreißenden Groove, der die Stimmung im Saal noch einmal anheizte. Zum Abschluss erhielten die jungen Musiker frenetischen Beifall und sie bedankten sich unter anderem mit dem dritten Satz aus dem fünften Streichquartett von Bohuslav Martinu. Gerade diese Musik war eine ausgezeichnete Ergänzung zur Musik von Schostakowitsch.


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