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1. November 2014
Musik und Theater
Meilenstein






Johannes Brahms: Die Klaviertrios (op. 8 in den Fassungen von 1854 und 1891). Oliver Schnyder Trio: Andreas Janke (Violine), Benjamin Nyffenegger (Violoncello), Oliver Schnyder (Klavier).


m&t meilenstein

Werner Pfister

Die drei Klaviertrios von Brahms stehen sozusagen repräsentativ für wichtige Etappen in der kompositorischen Entwicklung, vom Frühwerk über Werke der Reifezeit bis zu den Spätwerken – die Opuszahlen 8, 87 und 101 deuten das auch an. Das, einmal gesagt, muss sogleich korrigiert werden: Denn das erste, das H-Dur-Trio Nr. 1 op. 8, entstanden in den Jahren 1853/54, hört man nie so, wie es damals geklungen hat. In späten Jahren, nämlich drei Jahre nach der Vollendung seines dritten Klaviertrios, legte Brahms nochmals Hand an seinen Erstling, und seine entsprechende Äusserung, dass er diesem «nur die Haare ein wenig gekämmt und geordnet» habe, ist – gelinde gesagt – stark untertrieben. Vor allem hat er das Werk gekürzt, und zwar um gut einen Fünftel seiner Aufführungsdauer. Die Frage ist, ob es in dieser überarbeiteten und satztechnisch hörbar «verschlankten» Fassung wirklich vollendeter geworden ist.

Der Pianist Oliver Schnyder meint: nicht unbedingt. In seinem persönlich an Brahms gerichteten Einführungstext zur Gesamtaufnahme der drei Brahms-Trios gibt er ein flammendes Plädoyer für die Erstfassung des H-Dur-Trios ab – sozusagen die Herzergiessung eines Musikers, der eben beide Fassungen für vollendet hält und darum mit seinem Oliver Schnyder Trio nun auch beide eingespielt hat. Das allein sichert der vorliegenden Gesamteinspielung einen Repertoirebonus. Dennoch, es ist letztlich das atemberaubende (Zusammen-)Spiel von Andreas Janke, Benjamin Nyffenegger und Oliver Schnyder, welches diese makellosen, zutiefst berührenden Brahms-Interpretationen zu einem Meilenstein macht.

Das beginnt bei der vorzüglichen klanglichen wie räumlichen Gewichtung der drei Instrumente: Keines spielt sich auf, keines unterliegt, jedes agiert als gleichwertiger Partner in einem kammermusikalisch ungemein lebendigen, aber auch sehr rücksichtsvollen Diskurs. Emphatische Aufschwünge – gleich zu Beginn das liedhafte Thema im Kopfsatz von op. 8 – haben einen schwärmerischen Gestus, wie ihn vielleicht nur junge Musiker derart natürlich und ungekünstelt hinkriegen. Gleichzeitig gelingt es ihnen in wunderbarer Übereinstimmung, mit einer prägnanten rhythmischen Energie einzelne Motive klar zu konturieren.

Apropos Übereinstimmung: Wenn Geiger und Cellist im Unisono das «ungarische» Thema des langsamen Variationensatzes im zweiten Trio vorstellen, klingt das in der Tat wie auf einem Instrument gestrichen – einfach sensationell. Ein Musizieren voller gespannter, innerer Erregung, tief lotend, stets stilsicher und ungemein konzentriert. Überhaupt, die Ensemblekultur zu dritt ist in ihrer Homogenität vorbildlich, die spieltechnische Sorgfalt ebenso beeindruckend, und der silbern feine Schmelz von Andreas Jankes schlankem Geigenton harmoniert vorzüglich mit Benjamin Nyffeneggers gesanglich sonorem, vornehmen Celloklang. Fazit: In der ungekünstelten Unmittelbarkeit ihres Musizierens sowie in der jederzeit spürbaren Tiefe der Vergeistigung bieten die drei Musiker reines Brahms-Glück.

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