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Pressestimmen

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1. Juli 2014
Nürnberger Zeitung
Gruppenbild mit dezenter Dame

Das Julia Fischer Quartett in Fürth

Der Mann ist Gold wert, schon rein optisch: Denn Nils Mönkemeyer, als Bratschist ohnehin selber ein Nachwuchs-Star, belebt das Gruppenbild mit Dame ungemein. Wippt begeistert im Takt mit, schwingt das Schweißtuch an die nasse Stirn, blickt mit großen Augen und erkennbarer Lust am Kommunizieren jungenhaft zu den Kollegen. Ein Vollblutmusiker, dem man gerne zusieht - und für den es offenbar auch kein Problem ist, wenn ihm mitten im Stück eine Saite reißt . . . alle Achtung!

Aber auch Julia Fischer als Namensgeberin des Quartetts, die blond und (scheinbar) kühl linkerhand sitzt, weiß beim bejubelten Gastspiel im Fürther Stadttheater rundum zu überzeugen. Wie Alexander Sitkovetsky (zweite Violine) und Benjamin Nyffenegger (Cello) pflegt die Münchner Geigenvirtuosin mit beginnender Weltkarriere eben ein sehr kontrolliertes Spiel: ernst und ohne alle Effekthascherei, zugleich jedoch voll innerer Emphase. Man denkt auf den ersten Blick an eine Musterschülerin, dabei ist sie - Jahrgang 1983 - schon Professorin!

Als Patronin ihres Quartetts und Prima inter pares bringt Julia Fischer, zurzeit mit einer Sarasate-CD erfolgreich, auch diese drei Kleinode der Kammermusik zum Glänzen. Ob einen jugendlich schlanken Beethoven (op. 18, Nr. 4), bei dem das Schroffe und das Sangliche bestens ausgewogen sind, oder - eher selten zu hören - einen Schumann (op. 41, Nr. 3), der nach zartem, verhaltenem Anfang mitreißend ins Tanzen gerät.

Emotionaler - und auch motorischer - Höhepunkt war freilich Schostakowitschs 8. Streichquartett, dieses Bekenntnisstück der zutiefst zerrissenen Art. Von elegischer Trauer springt es in wildeste Attacken wie in Hitchcocks (zeitgleich entstandenem) "Psycho", bevor es die Erdenhölle aufbricht, um in Schubertsche Himmel zu schauen. Ergreifend, wenn das so packend und präzise gemeistert wird wie hier …

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