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Pressestimmen

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2. August 2013
Zofinger Tagblatt
Eine sensationelle Uraufführung am Festival

Künstler ersten Ranges brachten im Hirzenberg-Garten Schubert, Schumann und Shostakovich zu Gehör

Die Besucher und Besucherinnen des Hirzenberg-Festivals konnten sich von Künstlern und Künstlerinnen ersten Ranges bezaubern lassen. Am Freitag kam es zu einer Uraufführung: Das Oliver Schnyder Trio mit Benjamin Nyffenegger (Cello), Andreas Janke (Violine), Oliver Schnyder (Piano) und der Gastsänger Daniel Behle (Tenor) intonierten alle 24 Lieder der «Winterreise» von Franz Schubert in einem speziellen und höchst gelungenen Arrangement des Komponisten Daniel Behle. Ein- drucksvoller kann man diesen Höhe- punkt der romantischen Liedkunst nicht vortragen!
Der Samstag stand unter dem Titel «Seelenspiegel» im Zeichen der Kla- vierquintette von Robert Schumann und Dmitri Shostakovich (Schostako- witsch). Das Oliver Schnyder Trio und die Weltstars Vilde Frang (Violine) und Nils Mönkemeyer (Bratsche) als Gäste sorgten für anspruchsvollsten und edelsten Musikgenuss. An beiden Abenden spielte das Dieter Ammann Quartett als after-concert- Band. Für kulinarische Köstlichkeiten sorgte Chefkoch Antonio Gioello, und die edlen Weine stammten aus der Stadtkellerei Basel.
Eigentlich eine Wanderung
Die Gastgeberin und Vizepräsidentin des Vereins Kulturraum Hirzenberg, Christine Siegfried, sowie Intendant Dieter Ammann begrüssten das Publikum. Der Tenor und Arrangeur von Schuberts «Winterreise», Daniel Behle, erklärte, er habe das Arrangement immer wieder gekürzt, bis die Essenz übrig geblieben sei. Die «Winterreise» basiert auf Texten von Wilhelm Müller, die von Franz Schubert 1827 vertont wurden. Die Lieder schildern eigentlich eine Wan derung, auf die der Hörer mitgenom men wird. Ein auffallendes Charakte ristikum ist dabei, dass keine fortlaufende Handlung geschildert und keine Entscheidung getroffen wird. Vielmehr beschreiben die Lieder Seins- Zustände.
Ein unbestimmtes Sehnen wohnt der Musik Schuberts inne, ein Rufen der Transzendenz als ursprüngliche Heimat. So nimmt schon in «Gute Nacht» (Fremd bin ich eingezogen) das lyrische Ich Schuberts Abschied von seiner bisherigen Bleibe – der Liebe zu seinem Mädchen. Die Achtelbegleitung in der Klavierstimme symbolisiert die Schritte des Wande- rers, während der Tenor von Daniel Behle eine wundervoll elegische Ly- rik entfaltet. Die reduzierten Partitu- ren für die Streicher tragen wesent lich zur musikalischen Verdichtung bei. «Die Wetterfahne», ein gesell- schaftskritisches Stück, weil das El- ternhaus seiner Geliebten für die Tochter einen wohlhabenderen Ehe- mann ausgesucht hat, erhält durch die Oktavverschiebung der Klavierbe- gleitung seinen schaurigen Charak- ter, der durch das schnelle Tempo, Trille und arpeggierte Akkorde ver- stärkt wird. Und so führt die einsame Wanderung durch den erstarrten Schnee, vorbei am Lindenbaum, der Ruhe versprach, hin zur «Wasser- flut», die zur Liebsten fliessen soll.
Das viertaktige Rhythmusostinato er- innert dabei an einen Trauermarsch, während das aus dem Pianissimo he- rausbrechende Forte emotionale Aus- brüche verdeutlicht.
Schliesslich endet der Zyklus im «Leiermann», der nichts anderes als Schubert selber ist. «Wunderlicher Alter, soll ich mit dir geh’n?» Die gleichbleibende Quinte im Bass ver- deutlicht den unheilbaren Zustand der Hoffnungslosigkeit. Dazu streicht die Geige entschwebend hell und fein. Schlicht und einfach ergreifend! Lange wagte nach dieser sensationellen Aufführung niemand einen Applaus, bis er schliesslich doch noch losbrach.

Zwei Klavierquintette
Das Oliver Schnyder Trio spielte am Samstag mit den Weltstars Vilde Frang (Violine) und Nils Mönkemeyer (Bratsche) zunächst das Klavierquin tett von Robert Schumann. Es ist ein Glanzstück der Kammermusiklitera tur. Der erste Satz beginnt mit einem monothematischen Hauptthema, das sich in den Sequenzen zu grossem Ambitus entwickelt. Das Thema wird in Kaleidoskoptechnik ausgeweitet. Hier konnten und mussten alle fünf Instrumente ihr volles Klangspekt- rum ausnützen. Brillante Interpreta- tion auf höchstem Niveau.

Im Klavierquintett von Dmitri Shostakovich liegt das Gewicht auf den langsamen Sätzen. Im Eingangs- Lento entsteht eine unglaubliche Fei erlichkeit. Zu Beginn stellt das Klavier das ganze thematische Material vor. Die folgende Fuge geht vom Duo der beiden Geigen aus und ist äusserst raffiniert gearbeitet. Das Scherzo bricht mit seinen scheinbar volks musiknahen Themen den Ernst der vorangehenden Sätze. Ein weiteres Lento nimmt leitmotivisch Elemente des ersten Satzes auf und betont die meditative Stimmung. Es leitet ins Fi nale über, das mit nur scheinbarer Heiterkeit beginnt. Doch auch dieser Satz kommt ins Grübeln (Bassfigu- ren).
Mit einem himmlischen Solo der Geige (Vilde Frang) und einem wun- derschönen Duett zwischen Geige und Bratsche klingt das Werk schliessliche aus: So überzeugend werden Effekt und Substanz selten zur Synthese gebracht.
KLAUS PLAAR

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