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17. Januar 2013
Nachrichten aus Greifensee
Über einen energiegeladenen Schubert



(rh)
Mit dem Oliver Schnyder Trio eröffnete die KunstGesellschaft Greifensee am letzten Freitag ihre neue Konzertsaison 2013/2014. Der Abend steckte voller Überraschungen und die drei Musiker Oliver Schnyder (Klavier), Andreas Janke (Violine) und Benjamin Nyffenegger (Violoncello) brillierten im Landenbergsaal mit fein herausgearbeiteten Interpretationen der Stücke.
Die Damen hatten sich rausgeputzt. Perlenketten schmückten die Dekolletés, hie und da blitzte ein Goldohrring. Die Herren in schwarzen Sakkos und weissen gestärkten Hemden- man freute sich auf einen erstklassigen Abend, und diese Erwartung sollte nicht enttäuscht werden.

Ein Hirte der anderen Art
Zum Auftakt wurde das Lied "Der Hirt auf dem Felsen" von Schubert dargeboten. Vom ersten Moment an hatte das Trio das Publikum fest im Griff. Das neue Arrangement des Liedes von Chris Hazell und Yi-Chen Lin für Klavier, Violine und Violoncello (statt Klavier, Klarinette und Sopran) machte dieses Einstiegsstück zu einem ganz speziellen Erlebnis.
Vor allem der Dialog zwischen Violine und Violoncello war fein herausgearbeitet. Wer sich beim Titel "Der Hirt auf dem Felsen" an klassizistische Gemälde mit zuckersüssen, flötespielenden Jünglingen erinnert und eine dementsprechende Vertonung einer solchen inhaltslosen Idylle erwartete, wurde vom Oliver Schnyder Trio rasch eines anderen belehrt. Vor allem durch die Integration des Violoncellos ins neue Arrangement gelang es, die tragischen Momente des Stückes herauszuarbeiten, und so wurden auch die frohen Stellen authentisch.

"Das war der Himalaya"
Als Smetanas Tochter Bedriska im Jahr 1855 stirbt, entsteht das gefühlvolle Klaviertrio in g-Moll. Lässt das Thema viele düstere Töne erwarten, so ist Smetanas Stück eher das Geflecht aus vielen verschiedenen Emotionen, zu denen auch die Hoffnung gehört. Das Interpretieren dieser Vielschichtigkeit von Gefühlen stellte bestimmt eine grosse Herausforderung dar, die das Trio brillant meisterte. Dies gelang, indem den einzelnen Instrumenten, vor allem in den Soloteilen, genügend Raum gelassen und die Pausen lange unter Spannung gehalten wurden. Insgesamt war dieser mittlere Teil für die Zuhörer anspruchsvoll, was sich aus den Gesprächen in der Pause ergab. Zu Smetana meinte ein Gast sogar: "Das waren nicht die Alpen, das war der Himalaya," Trotz dem hohen Niveau, das das Trio den Zuhörern zumutete, leuchteten die Augen des Mannes, wie die eines Bergsteigers, der gerade den Everest bestiegen hat. Wer sich also die Mühe nahm, genau hinzuhören,der wurde mit der Qualität des Trios, die sich in jeder Phrase zeigte, belohnt.

Nach der Pause schloss der Konzertabend wieder mit Schubert. Der wohl bekannteste Teil, der hier gespielt wurde, ist der 2. Satz der Klaviertrios Nr. 2 in Es-Dur. Zu hören war es unter anderem in den zwei Kinofilmen "Barry Lindon" von Kubrick und "La Pianiste" von Haneke. Die Interpretation des Trios war im Gegensatz zu den Filmmusiken eher fordernd und energiegeladen als sentimental und melancholisch. Das zeigte Mut und überraschte die Zuhörer.

Das Oliver Schnyder Trio
Das Oliver Schnyder Trio debütierte im Februar 2012 mit dem zuletzt gespielten Klaviertrio von Schubert. Andreas Janke ist erster Konzertmeister im Tonhalle-Orchester Zürich und studierte in Salzburg. Benjamin Nyffenegger ist stellvertretender Solo-Cellist im Tonhalle-Orchester und studierte in Zürich. Oliver Schnyder schliesslich studierte in der Schweiz wie auch in den USA und gehört mittlerweile zu den gefragtesten Pianisten seiner Generation. Das Urteil über dieses noch junge Trio fiel an diesem Abend einstimmig aus und zeigte sich im lang anhaltenden Applaus und zwei Zugaben seitens der Musiker.
Der Saisonstart ist der KKG ausgezeichnet gelungen und macht neugierig auf weitere musikalische Abende, die auch verwöhnte Ohren verblüffen.

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