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16. August 2013
Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz
Im Garten der (Klang-)Träume

Das Oliver Schnyder Klaviertrio ist Artiste in Residence am Hirzenbergfestival Zofingen und begeisterte zur Eröffnung. Heute Abend spielt man noch einmal - zusammen mit zwei Klassikstars.

Es ist nicht alles Oper, was diese Tage openair klingt. Das Hirzenberg Festival in Zofingen zeigt, dass melancholische Franz-Schubert-Trios (mit etwas elektronischer Unterstützung) ein breites Freiluft-Publikum anziehen können. Ja, das Hirzenberg-Programm 2013 kann es locker mit drei «Aïdas» aufnehmen. Die Festivaleröffnung am Donnerstag zeugte von einer Intensität, die im Publikum für eine erstaunliche Ruhe und Aufmerksamkeit führte, von der man anderswo nur träumen kann.

Ins Träumen geraten kann manch einer im Garten der Villa Hirzenberg, in diesem Zauberrund, wo alte Bäume still auf einsame Mauern schauen, wo das Feuer der Fackeln von dunklen Geheimnissen erzählt – kurz: Wo die Musik an einem schönen Augustabend prächtig blühen kann.

Kuratiert ist das dreitägige Festival von Komponist Dieter Ammann, gelenkt von seiner Frau Yolanda Senn. Die Ausgabe 2013 ist dank der Verpflichtung des neu gebildeten Oliver Schnyder Trios als Artiste in Residence musikalisch und programmatisch besonders dicht: Der Pianist Schnyder, der Geiger Andreas Janke und der Cellist Benjamin Nyffenegger haben bereits auf CD demonstriert, wie gut sie harmonieren. Nun präsentierten sie ihre Kunst erstmals im Aargau.
Tanzen, ohne zu lachen

Mit prallem Ton, strotzend vor freudiger Kraft stimmte Cellist Nyffenegger das Dumky-Trio von Antonin Dvorák an, mit einer aschfahlen Phrase antwortete ihm Geiger Janke, vermittelnd griff Schnyder in diesen Disput ein – und alsbald tanzte man zu dritt freudig daher, allerdings ohne zu lachen. Will heissen: Das Trio traf Dvoráks Intentionen. Jede Facette dieses unheimlichen Werks, das bald stottert, bald beinahe stillsteht, wurde beleuchtet. Und wer bei Dvorák die gesangliche Linie so feinfühlig halten kann, der ist für Schuberts opus magnum, das Es-Dur-Trio op. 100, bestens gerüstet.

Nichts wurde überzeichnet um des simplen Ausdrucks willen. Das wurde selbst im so vielfach zitierten zweiten Satz deutlich, wo Schnyder klar den lyrischen Weg zeigte, zart zwar, aber nie romantisierend. Dem Finalsatz schenkten die drei Musiker eine wundersame Leichtigkeit, ein schlummernder Schleier setzte sich wie von Zauberhand geworfen über das heitere Spiel.

Bei aller kameradschaftlichen Vertrautheit der drei: Die individuelle Klasse jedes einzelnen ist der Grundstein dieses Trio-Erfolges. Benjamin Nyffenegger blüht in diesem Ensemble geradezu auf, pariert den freudigen Überschwang aber mit einer coolen Zurückhaltung. Er weiss auf Andreas Jankes feinnervige Zaubereien zu reagieren, benutzt sein Vibrato kühn als Intensivierungsmittel: Nyffeneggers Celloton wird damit mächtiger, gewiss, bisweilen opernhaft dramatisch, aber nie auch nur eine Spur zu süss. Jankes Spiel ist durchdrungen von einer Intelligenz in der Phrasierung. Und wenn dieser Geiger im feinsten Piano entschwebt, legt er in alle Rationalität eine sanfte Träne ein. Pianist und Leader Oliver Schnyder ist der ideale Mittelsmann der zwei Streicher.
Keine Zugabenheuler

Mit «Ständchen» war der Abend überschrieben. Und so spielte man denn als Zugabe eine Bearbeitung des gleichnamigen, berühmt-berüchtigten Schubert-Liedes. Erneut erfreute bei beiden Streichern ein belebt inniger Ton, der nie überzuckert klang. Und so war der vermeintliche Zugabenheuler ein inniger Ausklang eines grossen Kammermusikabends.

Heute gesellen sich die weltberühmte Geigerin Vilde Frang und der grosse Bratschist Nils Mönkemeyer zum phänomenalen Trio. Wer bei der Hausherrin Christine Siegfried oder den Festivalmachern bettelt, wird vielleicht noch eine Karte erhalten und in den Garten der (Klang-)Träume eintauchen können.

Nebenbei: Für Essen und Trinken ist in Zofingen so gut gesorgt, dass Opern-Open-Air-Freunde davon nur träumen können.

Christian Berzins

Hirzenberg Festival: heute 20 Uhr, Zofingen. CD: Oliver Schnyder Trio,Schubert, Piano Trios Nos. 1 & 2, RCA/Sony 2013.
(Die Nordwestschweiz)

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