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19. Juli 2013
Neue Zürcher Zeitung / Zürcher Kultur
Beglückendes im Freien

Brahms-Sextette im Park der Villa Schönberg

Alljährlich verhindern die Serenaden, die das Präsidialdepartement seit je im Rieterpark veranstaltet, dass ein kulturelles Sommerloch entstünde. Und so füllen sich also Mittwoch für Mittwoch die Holzbänke vor der in Abenddämmerung getauchten Backsteinfassade der Villa Schönberg.


Felix Michel

Alljährlich scheint nach den Festspielen nicht nur der Zürcher der Sommerhitze seiner Stadt zu entfliehen, sondern auch das Konzertleben sich an die diversen, meist an pittoresken Stätten installierten Festivals (wenn nicht überhaupt in die Ferien) zu verabschieden. Alljährlich verhindern jedoch die Serenaden, die das Präsidialdepartement der Stadt seit je im Rieterpark veranstaltet, dass dadurch vollends ein kulturelles Sommerloch entstünde. Und so füllen sich also Mittwoch für Mittwoch die einfachen Holzbänke vor der in Abenddämmerung getauchten Backsteinfassade der Villa Schönberg mit Konzertbesuchern, unter denen die Habitués leicht an den mitgebrachten Sitzkissen zu erkennen sind.

Unter offenem Himmel lässt sich zwar idyllisches Glück erleben, aber auch eine eigentümliche Art Ausgesetztheit, die selbst die Musik mit betrifft. Denn mehr als sonst erfährt man, wie Musik des klingenden Schalls bedarf und darin mit mancherlei Äusserungen des mehr oder weniger kreatürlichen Lebens konkurriert. Vor allem aber schielt am Ende eines schwülen Sommertages das sorgenvolle Auge nach dräuenden Wolken und zählt verstohlen erste Tropfen auf dem Programmzettel.

All dies war auch am Mittwoch so, und sogar Richard Wagner, der in den letzten Wochen viel Gefeierte, wandte sein bronzenes Ohr der Stelle zu, an der einst das von ihm bewohnte «Asyl» stand. Dort erklang Musik von – Johannes Brahms; dessen Streichsextette nämlich, und wie! Ein Ensemble aus Tonhalle-Musikern (Andreas Janke, George-Cosmin Banica, Benjamin Nyffenegger) und zugewandten Orten (Katarzyna Kitrasiewicz, Lech Antonio Uszynski, Anna Tyka Nyffenegger) gab sie ungemein klangschön, formklar und präzise. Die sonst oft problematische, fast schalltote Freiluft-Akustik zeigte für einmal umso schöner das traumwandlerisch homogene, dabei aber stets differenzierte Zusammenspiel der bei Brahms unablässig wechselnden Stimmpaarungen.

So bot das B-Dur-Sextett op. 18 wahrhaft beglückende Momente. Ohne Hast, aber mit vibrierendem innerem Drängen das Scherzo, mit delikatem Violinen-Klangzauber die Dur-Variationen des langsamen Satzes, darauf die Themenwiederkehr im Cello (Anna Tyka Nyffenegger) voll bezwingender Eleganz in seinen Verzierungen. Entsprechend herrschte denn im Publikum (und in den Baumkronen) atemlose Stille, und einzig in die Coda des Kopfsatzes schlich sich gleich Sirenen-, Tram- und Glockenlärm – zur Brahmsschen Satzauflösung ins Pizzicato und più Moderato hier vielleicht nicht einmal unpassend. Nur im Rondo litt die Intonationstreue ein wenig unter dem feuchten Klima. Dieses zeitigte nach der Pause weitere Folgen: Zu den mediantischen Farbwechseln im Kopfsatz von op. 36 passten Licht und dunkle Wolken zwar, aber kaum hob Benjamin Nyffenegger (alle Primo- und Secondo-Stimmen hatten unterdessen ihre Plätze getauscht) innig mit dem Seitenthema an, setzte Regen ein und zwang zur Verlegung in die Kirche Enge. Dort erklang auch das G-Dur-Sextett ebenso glücklich, obschon man wehmütig an die zwar unbeschützte und echolose, aber so zauberische Parkbühne zurückdachte.


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